Bundesbank
Weber skizziert Ausstieg aus Liquiditätshilfen

Bundesbankpräsident Axel Weber hat vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten klargestellt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) keine Eile hat, ihre Geldpolitik zu straffen. Doch wenn die Krise abebbt, soll der alte geldpolitische Handlungsrahmen wieder hergestellt werden.
  • 0

FRANKFURT. „Die Rückführung der Sondermaßnahmen ist nicht zeitabhängig, sondern zustandsabhängig“, betonte Weber am Dienstag und lehnte mit diesem Argument jede Indikation ab, wann die EZB ihre Maßnahmen zurückführen könnte, mit denen sie das Bankensystem mit Liquidität flutet. Das gleiche gelte für eine Erhöhung des Leitzinses, der derzeit auf dem historisch niedrigen Niveau von einem Prozent liegt.

Die EZB hatte Anfang des Monats beschlossen, die wegen der schweren Krise am Interbankenmarkt eingeführten langlaufenden Refinanzierungsgeschäfte nicht mehr fortzuführen. Der in der kommenden Woche anstehende Jahrestender wird demnach das letzte Geschäft dieser Art sein; Ende März können sich die Banken in der Euro-Zone zum letzten Mal Geld für ein halbes Jahr bei der Notenbank besorgen. Mindestens bis April bekommen die Banken aber von der EZB nach wie vor beliebig viel Geld auf Wochen- und Monatsbasis.

Wenn sich die Liquiditätslage der Banken entspannt hat, will die EZB die im Zuge der Krise eingeführten neuen Arten von Refinanzierungsmaßnahmen einstellen und wieder zum alten Handlungsrahmen von vor der Krise zurückkehren, machte Weber deutlich. Dazu würde auch gehören, die Refinanzierungsgeschäfte mit einer Laufzeit von einem Monat wieder einzustellen. Es blieben dann nur die wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäfte als Kern der Liquiditätsversorgung und die weniger bedeutsamen Dreimonatsgeschäfte.

Weber kündigte an, dass die Hauptrefinanzierungsgeschäfte die letzten sein würden, die von der unbegrenzten Zuteilung zum Leitzins auf alte Verfahren des Zinstenders umgestellt werden. Dabei ist die Menge begrenzt, die zugeteilt wird, und die Banken, die den höchsten Zins bieten, bekommen den Zuschlag.

Der Übergang zum Zinstender hätte einen Anstieg des Tagesgeldsatzes (Eonia) am Geldmarkt zufolge, der wegen der reichlichen Liquiditätsversorgung durch die EZB deutlich unter dem Leitzins liegt. Der Anstieg werde aber schrittweise passieren, sagte Weber. „Ich erwarte, dass sich der Eonia im ersten Quartal noch unter dem Leitzins befindet“, sagte Weber.

Der Bundesbankpräsident betonte, dass der EZB-Rat den Leitzins erst dann wieder anheben wird, wenn Gefahren für die Preisstabilität drohen. Da der Inflationsausblick derzeit jedoch günstig sei, könne man den Leitzins wohl noch für längere Zeit auf dem aktuellen Niveau belassen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Bundesbank: Weber skizziert Ausstieg aus Liquiditätshilfen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%