Bundesbanker in Düsseldorf
Ein rotes Trikot für Axel Weber

Zehn Tage nach seiner Rücktrittsankündigung zeigt sich Bundesbank-Präsident Weber beim Vortrag in Düsseldorf kämpferisch: Nein zu Euro-Bonds, nein zum Kauf von Staatsanleihen. Fragen zu seiner Zukunft weicht er aus.
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DüsseldorfEs ist ein rotes Fußball-Trikot, das an diesem Abend in Düsseldorf zum Sinnbild wird für die Zäsur, die Axel Webers Karriere erfahren hat. Der Bundesbankpräsident bekommt es überreicht, als er die Stufen zum Podium erklimmt, um in der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste einen Vortrag über die Schuldenkrise im Euro-Raum zu halten. Die Begrüßung des Akademie-Präsidenten Hanns Hatt gerät dabei fast zur Verabschiedung Webers in den Ruhestand. Wenn ihm denn künftig langweilig würde, dann sei er herzlich in der Professorenmannschaft der Uni Bochum willkommen.

Weber, im dunklen Anzug mit dunkler Krawatte, ergreift das Trikot. Er legt es vor sich auf das Rednerpult und nimmt es später sogar für die Diskussionsrunde mit zu einem Stehtisch. Und die ganze Zeit erinnert es an die Frage nach seiner Zukunft – eine Frage, auf die sich auch der prall gefüllte Saal an diesem Abend eine Antwort erhofft.

Genau zehn Tage ist es nun her, dass Weber seinen Rückzug von der Bundesbank-Spitze verkündete. Für eine zweite Amtszeit bei Deutschlands Notenbank ab dem Frühjahr 2012 steht er nicht mehr zur Verfügung. Auch aus dem Rennen um die Nachfolge von EZB-Chef Jean-Claude Trichet ist Weber ausgestiegen. Ein schlecht kommunizierter Rückzug, ein PR-Desaster, das für viel Aufregung, Ärger und Spekulationen sorgte. Und weiterhin sorgt.

Als Deutschlands oberster Währungshüter profilierte sich Weber stets als Garant für einen stabilen Euro. Als Falke kämpfte er für höhere Zinsen. Am Wochenende hatte Weber beim G20-Treffen in Paris noch vor steigenden Inflationsgefahren in der Welt gewarnt. Eine laxe Geldpolitik war mit ihm nicht zu machen. Und er verstand die emotionale Verhaftung gerade der Deutschen mit der Stabilität ihrer Währung.

Doch was dem harten Inflationsbekämpfer lange als klare Haltung ausgelegt wurde, sah man innerhalb der Europäischen Zentralbank zuletzt immer häufiger als Sturheit. Weber rügte das Programm zum Ankauf von Anleihen überschuldeter Staaten in der Eurokrise. Er kritisierte den EZB-Kurs und war dadurch isoliert. Auch die von Angela Merkel propagierte Wirtschaftsregierung der Euro-Staaten passte Weber nicht. Er vermisste zunehmend die Rückendeckung der Kanzlerin. Eine Stunde dauerte sein letztes Gespräch im Kanzleramt. Dann verkündete er offiziell seinen Rückzug. Sein Entschluss stand bereits vorher fest, war schon durchgesickert.

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