Bundesbankpräsident

Weidmann verteidigt EZB-Zinssenkung

Der Bundesbank-Präsident tritt der Kritik an der Zinssenkung der EZB entgegen. Gleichzeitig warnt er, die Politik des billigen Geldes zu lange fortzusetzen. Als Dauertherapeutikum sei das Medikament Niedrigzins riskant.
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Bundesbank-Präsident Jens Weidmann verteidigte zunächst die Zinssenkung der EZB. Quelle: dpa

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann verteidigte zunächst die Zinssenkung der EZB.

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FrankfurtBundesbank-Präsident Jens Weidmann hat die historische Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen Kritik gerade aus Deutschland verteidigt. Nach den Exzessen der Vorkrisenzeit müssten viele Länder die hohen öffentlichen und privaten Schulden abbauen und wettbewerbsfähiger werden. Dies sei ein zäher Prozess, der das wirtschaftliche Wachstum noch lange dämpfen wird, sagte Weidmann am Mittwoch beim Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken in Frankfurt: „Angesichts der auf mittlere Sicht zu erwartenden niedrigen Inflationsraten und der schwachen konjunkturellen Entwicklung ist eine expansive Ausrichtung der Geldpolitik im Euro-Raum gerechtfertigt.“

Die EZB hatte am vergangenen Donnerstag ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent verringert. Begründet wurde dies mit dem schwachen Preisauftrieb im Währungsraum, der im Oktober auf ein Vierjahrestief gesunken war. Zum Teil sei die Preisentwicklung in den Krisenländern aber stark von den Mühen um die Wiedererlangung von Wettbewerbsfähigkeit geprägt, betonte Weidmann.

Der Schritt hatte zum Teil harsche Kritik insbesondere aus Deutschland provoziert. Bemängelt wurde etwa, die EZB nähme mit ihrer Zinspolitik mehr Rücksicht auf Krisenländer wie Spanien oder Italien, wo sich die Konjunktur viel schwächer als etwa in Deutschland entwickelt. Für Deutschland sei der Zins hingegen viel zu niedrig.

Weidmann wies die Vorwürfe zurück. Der EZB-Rat müsse die Leitzinsen so festlegen, dass Preisstabilität im gesamten Euroraum gewährleistet ist. Zielmarke der Notenbank ist eine Inflationsrate von mittelfristig knapp zwei Prozent: „Der EZB-Rat macht Geldpolitik für den gesamten Euro-Raum und nicht für einzelne Länder.“ Zumal die Teuerung nicht nur in den Krisenländern niedrig sei, sondern auch in Deutschland. Eine Deflation erwarte der EZB-Rat aber nicht.

Die extrem niedrigen Zinsen hätten das Ziel, die Konjunktur zu beleben, sagte Weidmann. Gleichzeitig berge die Politik des ultrabilligen Geldes aber Gefahren: „Die Risiken und Nebenwirkungen nehmen vor allem dann zu, wenn das Medikament Niedrigzins zu einem Dauertherapeutikum wird, während die Wirksamkeit der extrem niedrigen Zinsen abnimmt, je länger sie anhalten.“

Weidmann machte sich zudem eine Aussage des früheren Chefvolkswirts der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), William White, zu eigen: „Eine ultralockere Geldpolitik kann die Gesundheit von Banken gefährden, die Funktionsweise der Finanzmärkte stören, die Unabhängigkeit der Notenbanken bedrohen und Regierungen zu unvorsichtigem Verhalten verleiten.“

Gerade für Sparer sind die niedrigen Zinsen ärgerlich, weil die Inflation ihr Geld auffrisst. Er könne die Sorge vor einer „schleichenden Enteignung der deutschen Sparer“ nachvollziehen, sagte Weidmann: „Für mich ist es daher wichtig, Sorge dafür zu tragen, dass negative Realzinsen kein Dauerzustand werden und die Geldpolitik nicht zur Gefangenen der Politik oder der Finanzmärkte wird.“

  • dpa
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12 Kommentare zu "Bundesbankpräsident: Weidmann verteidigt EZB-Zinssenkung"

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  • Im Gegenzug vernachlässige ich die korrupte Politik, die gegen die deutschen Bürger gerichtet ist. Solange die deutschen Politiker nicht in der Lage sind, das Antikorruptionsgesetz der UN umzusetzen, bekommt keine Partei mehr die Stimmen meiner Famnilie. Ende! Und mein Kapital ist längst über die Berge.

  • Herr Weidmann:

    Hat man uns mit der EURO-Einführung nicht auch die harten Stabilitätskriterien der Deutschen Mark, bzw. der Bundesbank versprochen ?

    Sind wir als Deutsche etwa die alleinigen Leidtragenden ? Oder hat dieser Zinsentscheid nicht auch Auswirkungen auf andere Länder ?

  • Betrachten Sie die Vermögenspreise, dann wissen Sie wo die Inflation geblieben ist.

  • Herr Weidmann kann sich aber auch nicht der Mathematik entziehen und diese liefert für den Euroraum infolge der durch staatliche Haushaltskonsolidierungen noch länger anhaltenden Wirtschaftsschwäche einen Leitzins von unter 0,35%.
    Als rational denkender Mensch tut er also gut daran, gemäß jenem Ergebnis zu argumentieren.

  • Schmierentheater, wie Dr.Dip schreibt können die Gross- und Urgrosseltern da die Parallelen aufzeigen. Für wie blöd wollen die das deutsche Volk eigentlich noch verkaufen? OK, ziemlich verblödet ist es ja schon in der Breite.

  • Bei einer Inflationsrate von 1,2 % und prognostizierten Wachstumsschächen ist es doch völlig OK, wenn die EZB nochmal die Zinsen senkt.....
    Es sind die normal üblichen Massnahmen zur Beeinflussung einer Volkswirtschaft.
    Mir ist völlig unverständlich warum dies Kritik hervorruft.
    Hätte einige Banken und Versicherer eigene Basis-Volkswirte in ihren eigenen Reihen dann hätten sie diese Entwicklung leicht vorhersehn können.
    ..........und das da einige Sparer probleme mit dem Zins haben ist zwar für diese schmerzlich aber Volkswirtschaftlich betrachet ein zu vernachlässigendes Problem.........
    Die Abhilfe für die Sparer wäre Ausgeben, Konsum...... und genau das will ja die EZB erreichen........
    .....also alles OK.

  • Die schleichende Enteignung kann er nachvollziehen. Das hilft den Sparern und Altersvorsorgern aber nicht wirklich.
    Wenn jetzt noch die Exportüberschüsse Deutschlands auf der EU-Agenda stehen, dann muss man sich keine Fragen mehr stellen. Dann kann jeder seine Schlußfolgerungen selbst ziehen.

  • Die Aussage von Herrn Weidmann enttäuscht mich schon. Wo er sich ja sonst immer als der einzige Widerständler insziniert hat.

  • Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie ein Geschichtsbuch oder fragen Sie Ihre Großeltern.

  • "Merkel lehnt Volksentscheide auf Bundesebene ab"

    Das war zu erwarten, das gegenseitige Misstrauen zwischen Volk und Frau Merkel ist zu gross.

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