Bundeskanzler Schröder fordert Zinsesenkung: Starker Euro erhöht Druck auf die EZB

Bundeskanzler Schröder fordert Zinsesenkung
Starker Euro erhöht Druck auf die EZB

Wegen des anhaltend starken Eurokurses kommt die Europäische Zentrabank (EZB) unter wachsenden Druck, die Leitzinsen weiter zu senken. So forderte Bundeskanzler Gerhard Schröder am Mittwoch von den Währungshütern in Frankfurt, auf die Eurostärke und die negativen Folgen für den Export zu regieren.

HB BERLIN. „Mit allem Respekt vor der Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank“ bestehe „Anlass, dass man dort auch über Zinssenkungen nachdenkt“, sagte der Kanzler im NDR.

Der Druck auf die EZB nehme zwar zu, sagte Devisenexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank. Auch der am Mittwoch veröffentlichte deutliche Rückgang der jährlichen Inflationsrate in Deutschland und der am Vortag bekannt gegebene Rückgang des ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland legten eher eine Leitzinssenkung nahe. Gleichwohl rechnet Fritsch am kommenden Donnerstag (4. März) mit unveränderten Leitzinsen in der Eurozone. Dann kommt die Spitze der Zentralbank um EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zu ihrer nächten Ratssitzung in Frankfurt zusammen.

Der wichtigste Leitzins der EZB liegt seit Mitte 2003 auf dem ohnehin niedrigen Niveau von 2,0 Prozent. In den USA liegt der Leitzins allerdings mit 1,0 Prozent noch niedriger. Sollte die Schere nach einer weiteren Senkung in Europa kleiner werden, so die Kalkulation, könnte dies dem Dollar zu Auftrieb verhelfen.

Die EZB hat Zinssenkungen dagegen bislang mit dem Hinweis abgelehnt, dass die konjunkturellen Aussichten auch ohne einen solchen Schritt positiv seien. Negative Effekte durch die Eurostärke im Außenhandel, so bislang die Argumentation der Währungshüter, würden durch die Belebung der Weltwirtschaft wieder wettgemacht.

Am Mittwoch rutschte der Kurs des Euro nach einer Rede von US- Notenbankchef Alan Greenspan bis auf die Marke von 1,25 Dollar. Er ist damit aber nur rund 4 US-Cent von seinem Rekordhoch Mitte Februar entfernt.

Schröder hatte bereits im Januar angesichts möglicher konjunktureller Gefahren durch den starken Euro die EZB zum Handeln aufgerufen. Er sei guter Hoffnung, dass man bei der EZB die besondere Verantwortung speziell für die Entwicklung des Zinsniveaus in letzter Zeit erhöht zur Kenntnis genommen habe, hatte der Kanzler damals gesagt. Die Handlungsmöglichkeiten für eine Reaktion auf die Euro- Stärke lägen in erster Linie bei der EZB.

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