Bundesländer-Wachstum
Mecklenburg-Vorpommern hängt alle ab

Mecklenburg-Vorpommern, traditionell das Land der wirtschaftlichen Hiobsbotschaften, macht neuerdings mit positiven Schlagzeilen von sich reden: Nicht nur, dass Schwerin seine Schulden zurückzahlt, anstatt neue zu machen - im ersten Halbjahr war das Land sogar der bundesweite Wachstums-Spitzenreiter.

HB SCHWERIN. Die dortige Wirtschaft legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent zu und profitierte von einer boomenden Industrie, wie die Statistischen Landesämter am Montag mitteilten. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) insgesamt kletterte um 2,9 Prozent, dabei hängte der Osten den Westen leicht ab: In den alten Ländern einschließlich Berlins wuchs die Wirtschaft um 2,9 Prozent, im Osten um 3,2 Prozent. Schlusslicht bildete die Hauptstadt mit einem Plus von einem Prozent.

Für das gesamte Jahr erwarten die meisten Experten ein bundesweites BIP-Wachstum von gut 2,5 Prozent. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten trübten sich allerdings nach Einschätzung vieler Ökonomen die Aussichten ein. So senkte das arbeitgebernahe IW-Institut seine Erwartung für 2008 auf 1,9 Prozent, sieht die US-Immobilienkrise insgesamt aber nicht als ernsthaftes Risiko.

Mecklenburg-Vorpommern hatte sich im bundesweiten Vergleich in den vergangenen Jahren nur weit unterdurchschnittlich entwickelt. In dem industrieschwachen Land legte dieser Sektor nun aber besonders kräftig zu, wenn auch von einem niedrigen Niveau aus. „Es gibt kaum eine Branche im Verarbeitenden Gewerbe, die nicht sehr gut gewachsen ist“, sagte eine Sprecherin des Statistischen Landesamtes im Schwerin. Die Geschäfte im Maschinenbau, der chemischen Industrie, im Schiffsbau und im Gastgewerbe liefen gut. Die Bruttowertschöpfung des Sektors kletterte in den ersten sechs Monaten um fast 15 Prozent, während es bundesweit nur knapp sieben Prozent waren. Im Osten (ohne Berlin) gab es ein Plus von rund 13 Prozent.

Auch das Baugewerbe habe sich im Norden deutlich verbessert, sagte die Sprecherin. Die gute Entwicklung sei als Aufholprozess zu sehen, da der Bau 2006 im bundesweiten Vergleich sehr schlecht abgeschnitten habe. „Irgendwann muss die Konjunktur ja bei uns ankommen.“ Es sei allerdings nicht davon auszugehen, dass Mecklenburg-Vorpommern auch für das Gesamtjahr 2007 das kräftigste Wachstum schaffe. Im vorigen Jahr lag Sachsen an der Spitze, nach der ersten Hälfte dieses Jahres rangiert das Land zusammen mit Hamburg (plus 3,4 Prozent) hinter Bayern (plus 3,5 Prozent) auf Platz drei.

An Berlin hingegen geht der kräftige Aufschwung - gekennzeichnet durch boomende Investitionen - erneut weitgehend vorbei. Die Hauptstadt hatte in den vergangenen Jahren hunderte von Arbeitsplätzen in der Industrie verloren. Im ersten Halbjahr 2007 stieg die Bruttowertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe nur minimal um 0,2 Prozent zu - dies war deutschlandweit das mit Abstand schwächste Wachstum. In der Energiewirtschaft sank die Erzeugung nach Angaben des Statistischen Landesamtes um etwa 20 Prozent. Im Hoch- und Tiefbau liegen die Umsätze rund 16 Prozent unter dem Niveau des ersten Halbjahres 2006.

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