Arbeitsmarkt bleibt Problem
Wirtschaft schöpft Hoffnung

Die Signale für eine nahende konjunkturelle Belebung mehren sich: Deutschlands Top-Manager beurteilen die Perspektiven für den Standort günstig wie seit Monaten nicht mehr, zugleich verzeichnet die Industrie einen deutlichen Anstieg der Auftragseingänge. Allerdings bleibt die Lage auf dem Arbeitsmarkt angespannt. In den Führungsetagen deutscher Unternehmen wächst trotz der aktuell noch schwierigen konjunkturellen Situation die Zuversicht.

str DÜSSELDORF.42 % der Manager gehen davon aus, dass sich die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft in den nächsten zwölf Monaten bessern. Das ist das Ergebnis des Handelsblatt Business-Monitors, für den von Mitte Juli bis Anfang August 797 Führungskräfte der deutschen Wirtschaft befragt wurden. Das Ergebnis ist repräsentativ. Noch im Juni hatte der Anteil der Optimisten bei nur 27 % gelegen. Der Anstieg auf 42 % ist der stärkste seit September 1999.

Besonders zuversichtlich blicken die Manager von Großunternehmen nach vorne. Hier rechnen 59 % der Befragten mit einer Verbesserung der Situation. Die Stimmung ist in den einzelnen Branchen unterschiedlich. Im Dienstleistungsbereich stellen die Optimisten bereits die Mehrheit (51 %). Aufgehellt hat sich die Stimmung auch in den Branchen Chemie und Handel.

Das geplante Vorziehen der nächsten Steuerreformstufe vom 1. Januar 2005 auf 1. Januar 2004 bringt nach Einschätzung der meisten Manager nicht den entscheidenden Wachstumsimpuls. Nur 14 % rechnen mit einem deutlichen Schub für die Gesamtwirtschaft. Dennoch wird die Politik der Bundesregierung insgesamt positiver bewertet als im Juni.

Der wachsende Optimismus schlägt sich auch in der Investitionsbereitschaft nieder. Das Investitionsklima kletterte auf den höchsten Stand seit August/September 2002. Es bleibt aber weit entfernt von vergangenen Boom-Jahren. Zwar wollen 19 % (Vormonat: 15 %) der Befragten die Investitionen erhöhen. Ihnen stehen allerdings 29 % (Vormonat: 35 %) gegenüber, die die Investitionen verringern wollen.

Stagnation auf hohem Niveau

Das Beschäftigungsklima verändert sich nicht parallel zur Stimmung. Lediglich 14 % der befragten Top-Manager planen, in den nächsten zwölf Monaten Mitarbeiter einzustellen. Der Wert hatte im Juni mit 12 % nur unwesentlich niedriger gelegen.

Damit bleiben die Aussichten für den Arbeitsmarkt schlecht. Der Vorstandsvorsitzende der Bundesanstalt für Arbeit (BA), Florian Gerster, sagte gestern, er erwarte für die kommenden Monate keine durchgreifende Verbesserung. Gleichzeitig korrigierte er seine Prognose für das Gesamtjahr. Er gehe nun von einer durchschnittlichen Zahl der Arbeitslosen von 4,4 bis 4,5 Millionen aus. Noch im Frühjahr war die Bundesanstalt von durchschnittlich rund 4,3 Millionen Erwerbslosen ausgegangen.

Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) sprach von einer Stagnation auf hohem Niveau. „Die Impulse sind bei weitem noch zu schwach, um am Arbeitsmarkt entlastend zu wirken“, sagte er.

Nach Angaben der BA waren im Juli 4,352 Millionen Menschen ohne Beschäftigung. Das sind 94 500 mehr als im Juni und 305 000 mehr als vor einem Jahr. Der höchste Juliwert seit dem Mauerfall wurde damit nur knapp unterschritten. Noch im Juni war die Erwerbslosenzahl überraschend um 85 000 zurückgegangen. Die Arbeitslosenquote kletterte binnen Monatsfrist von 10,2 auf 10,4 %.

Erfreulich entwickeln sich dagegen die Auftragseingänge. Einige Großaufträge und die steigende Nachfrage aus dem Ausland ließen die Bestellungen nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums im Juni um insgesamt 2,3 % gegenüber dem Vormonat steigen. Im Mai waren die Auftragseingänge noch um 2,6 % zurückgegangen.

„Der Rückschlag könnte überwunden sein“, sagte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD). Ob sich die Entwicklung auch in den Produktionszahlen niederschlagen werde, müsse abgewartet werden. Zur wirtschaftlichen Entwicklung im zweiten Quartal 2003 insgesamt sagte Clement: „Wir wissen, dass keine Bäume ausgerissen wurden.“

Nach einer Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal um 0,2 % gesunken. Auch für den weiteren Jahresverlauf bleibt das DIW skeptisch: „Im dritten Quartal wird sich das Tempo der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung kaum beschleunigen“, schreibt das Institut.

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