Auch Gewerkschaften setzen nun auf Ausbildungspakt
Ausbildungsabgabe bringt keine Lehrstellen

Die von der rot-grünen Koalition geplante Ausbildungsabgabe wird gegen den Lehrstellenmangel kaum etwas ausrichten können: Drei von vier Unternehmen werden lieber die Abgabe bezahlen als mehr Lehrlinge einzustellen.

BERLIN. Im Handelsblatt Business-Monitor, einer repräsentativen Umfrage unter Führungskräften der deutschen Wirtschaft, haben nur 13 % der betroffenen Unternehmen ihre Bereitschaft erklärt, durch Schaffung neuer Ausbildungsplätze die Abgabe abzuwenden. Drei Viertel nehmen die Abgabe in Kauf, 11 % machten keine Angabe.

Auch bei den Gewerkschaften schwindet der Rückhalt für die gesetzliche Ausbildungsabgabe. DGB-Chef Michael Sommer kündigte an, man wolle die Chance für einen Ausbildungspakt ergreifen. Dieser war von der Wirtschaft vorgeschlagen worden, um die Abgabe zu verhindern. Sommer forderte, der Pakt müsse verbindlich sein und bestimmte Kriterien erfüllen, damit sich die Wirtschaft ihrer Ausbildungsverpflichtung nicht entziehen könne. Ziel sei, so der DGB-Chef, dass alle interessierten Jugendlichen ein „auswahlfähiges Angebot“ für einen betrieblichen Ausbildungsplatz erhalten. Die Gewerkschaften beziffern deren Zahl auf etwa 100 000. Als Maßstab nannte Sommer allerdings nicht mehr die im Gesetz enthaltene Vorschrift, das Angebot an Lehrstellen müsse die Nachfrage um mindestens 15 % übersteigen. Damit kämen die Gewerkschaften der Wirtschaft entgegen, hieß es in DGB-Kreisen.

Entschärft wurde auch die Gewerkschaftsforderung, die Arbeitgeber müssten eine bestimmte Zahl von Lehrstellen neu schaffen. Nun heißt es nur noch, es müssten „nachweislich zusätzliche betriebliche Ausbildungsstellen sein“. Heftig umstritten bleibt aber, was mit dem Gesetz der Regierung passiert, wenn der freiwillige Pakt gelingt. Die Wirtschaft fordert, dieses dürfe dann im Bundesrat nicht verabschiedet werden. Andernfalls werde der Pakt sofort wieder hinfällig. „Wir bestehen darauf, dass das Gesetz auch bei Vorliegen eines Pakts verabschiedet wird“, sagte Sommer dem Handelsblatt. Wenn die Arbeitgeber es ernst meinten, bräuchte ihnen die Umlage keine Sorge machen. Das Gesetz sieht vor, dass die Ausbildungsabgabe nicht erhoben wird, wenn ein freiwilliger Pakt genügend Lehrstellen bringt. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) soll diesen Pakt aushandeln.

Die Abgabe soll fällig werden, wenn ein Unternehmen weniger als 7 % Auszubildende beschäftigt. Der Umfrage zufolge liegen 57 % der Betriebe mit mehr als 100 Beschäftigten unter dieser Mindestquote. Darin enthalten sind 8 %, die überhaupt nicht ausbilden. Die durchschnittliche Ausbildungsquote ist bei Großunternehmen mit mehr als 5000 Beschäftigten mit 5,3 noch niedriger als bei kleinen (5,9) und mittleren Unternehmen (5,8). Die Bereitschaft, neue Auszubildende einzustellen, wird dabei im nächsten Jahr weiter sinken: Jedes zehnte Unternehmen hat im vergangenen Jahr keine neuen Auszubildenden eingestellt – im nächsten Jahr werden es 13 % sein.

Hauptgrund für die niedrige Ausbildungsquote ist der mangelnde Bedarf an Nachwuchs (36 %; bei Großunternehmen 44 %) und die mangelhafte Qualifikation der Bewerber (28 %). Die Kosten für Ausbildungspersonal, Schulungsräume etc. sind vor allem der Baubranche (33 %) und dem Chemie- und Energiesektor (31 %) ein Grund, zögernd auszubilden. In der Baubranche klagen auch 32 % über die Nachteile der dualen Ausbildung und 27 % über die zu hohe Ausbildungsvergütung.

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