Business-Monitor: Das neue deutsche Wirtschaftswunder

Business-Monitor
Das neue deutsche Wirtschaftswunder

Selten war die Stimmung so optimistisch: Der Exportmotor brummt, die Gewinne sprudeln, und am Arbeitsmarkt ist Belebung spürbar. Eine Handelsblatt-Bilanzanalyse zeigt: Das Fundament für den Wiederaufstieg wurde in der Finanzkrise gelegt.

FRANKFURT. McKinsey-Chef Frank Mattern lacht selten und geht mit Lob eher sparsam um. Der Mann neigt nicht zu Übertreibungen. Wenn er allerdings in diesen Tagen über den Zustand der deutschen Volkswirtschaft spricht, weiß er nur das Beste zu berichten: "Seit der Jahrtausendwende haben wir gewaltig an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen", sagt er. Die schwere Finanz- und Wirtschaftskrise hält er für überwunden: "Das haben Gewerkschaften, Arbeitgeber und Politik ziemlich gut gemacht."

Niedergeschlagenheit war gestern, der Optimismus ist nach Deutschland zurückgekehrt. Alle relevanten Kennziffern auf dem Armaturenbrett der Volkswirtschaft sind in den grünen Bereich gedreht: Der Export wuchs im ersten Quartal um 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, im März legten die Ausfuhren sogar um 23,4 Prozent zu. Auch im zweiten Quartal riss der Exportboom nicht ab: Plus 19 Prozent im April, für den Juni wird ein ähnlich gutes Ergebnis erwartet.

Die Gewinnmeldungen der Konzerne lassen ebenfalls ein Rekordjahr erwarten, am Arbeitsmarkt wurde von Feuern auf Heuern umgeschaltet. Facharbeiter sind - wieder einmal - knapp.

Die Mehrzahl der Führungskräfte geht davon aus, dass Deutschland das Tempo halten kann. Das ergibt der Handelsblatt Business-Monitor International, eine Exklusiv-Umfrage im Auftrag dieser Zeitung und der Unternehmensberatung Droege & Comp.

Der Großteil der deutschen Wirtschaftselite bezeichnet das erste Halbjahr demnach als "besser als erwartet" und blickt nun voller Zuversicht in das kommende Jahr. 54 Prozent der befragten Manager gehen davon aus, dass sich die Konjunktur 2011 kraftvoller entwickeln wird als 2010. 58 Prozent erwarten, dass das Geschäft der eigenen Firma sogar noch besser läuft.

Die Krise hat die Deutschland AG stärker gemacht, lautet auch das Ergebnis einer Bilanzanalyse, die das Centrum für Bilanzierung und Prüfung (CBP) an der Uni Saarbrücken und das Beratungsunternehmen Oliver Wyman in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt durchgeführt haben. Dabei wurden die Jahresabschlüsse der 136 größten börsennotierten Unternehmen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis sei "eine kleine Sensation", meint Bilanzexperte und CBP-Chef Karlheinz Küting.

Besonders bei den wichtigen Kennzahlen Eigenkapitalquote und operativer Cash-Flow, auf die Banken besonders achten, zeigt der Trend nach oben. Die analysierten 136 Unternehmen haben ihre Liquidität um 16 Mrd. Euro erhöht. "Die enormen Fortschritte bei der Innenfinanzierung sind beeindruckend", sagt Thomas Kautzsch, Partner bei Oliver Wyman. Anders als in der letzten Krise hätten die Unternehmen ihre Lagerbestände radikal heruntergefahren und kürzere Zahlungsziele vereinbart. Dadurch konnten sie Liquiditätsreserven mobilisieren. Dax-Konzerne wie Volkswagen oder Thyssen-Krupp erwirtschafteten so Milliarden.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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