Business-Monitor
In der Lieferkette klaffen Lücken

Jede dritte deutsche Firma klagt über Lieferengpässe nach der Krise. Das zeigt der Handelsblatt-Business-Monitor. Weil wichtige Elektronikteile knapp sind, kommt die geplante Verdoppelung der Produktion nur schleppend voran. Schuld haben aber nicht allein die Zulieferer.
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DÜSSELDORF. Etliche Kunden von SMA Solar sind sauer. Der Kasseler Hersteller von Wechselrichter für Photovoltaik-Anlagen kommt der boomenden Nachfrage einfach nicht hinterher. Und das, obwohl der Marktführer erst kürzlich in Denver ein neues Werk in Betrieb genommen hat. Vorstandschef Günter Cramer ärgert sich genauso. "Die Halbleiterindustrie hat Lieferschwierigkeiten", klagt er. Weil wichtige Elektronikteile knapp sind, kommt die geplante Verdoppelung der Produktion nur schleppend voran.

Auch bei Continental gab es Engpässe, denn einige Zulieferer konnten nach der Krise die Produktion nicht so schnell wieder hochfahren. Vorstandschef Elmar Degenhart sagt: "Das trifft im Besonderen auf die Zulieferungen aus der Halbleiterindustrie zu, aber nicht nur." Das Ärgernis: "Wir hätten sonst noch mehr Umsatz machen können."

Continental und SMA Solar sind keine Einzelfälle. Doch die wenigsten Manager wollen öffentlich über Lieferprobleme reden - dies könnte ja Kunden verunsichern. Anonym befragt räumt jedoch jede vierte Firma in Deutschland ein: Der rasante Aufschwung hat zu gelegentlichen Lieferengpässen geführt. Weitere elf Prozent berichten sogar von deutlichen Lieferengpässen. Das zeigt der aktuelle Handelsblatt Business-Monitor, für den rund 800 Top-Manager befragt wurden.

Die Lieferkette ist in vielen Branchen überansprucht

Am schlimmsten betroffen sind der Automobilbau und die Chemiebranche. Hier berichten drei Viertel aller befragten Firmen über Zulieferschwierigkeiten, in der Elektro/High-Tech-Branche und im Maschinenbau sind es 60 Prozent.

Schuld an den Engpässen sind nicht unbedingt die Zulieferer. "Viele Abnehmer haben schlicht zu spät bestellt", kritisiert Horst Wildemann, Professor für Unternehmensführung, Logistik und Produktion der Technischen Universität München. In der Krise haben sie die Lager fast leer gemacht. Parallel zum plötzlichen Auftragsboom wollen sie nun zeitgleich auch noch ihre Bestände auffüllen. Die Folge: "Hersteller ordern derzeit die doppelte Menge wie sonst", beobachtet Oliver Weirauch, Geschäftsführer der Beratung Droege & Comp. "Kein Wunder, dass die Lieferkette vieler Branchen total überansprucht ist."

Bis Anlagen oder Hochöfen, die in der Krise abgeschaltet wurden, wieder auf Hochtouren fahren, dauert es eben seine Zeit. Der Engpass bei elektronischen Komponenten rührt auch daher, dass in Asien Werke geschlossen und massenhaft Facharbeiter entlassen wurden. Deutsche Firmen hingegen konnten ihr Personal schnell reaktivieren - Kurzarbeit sei Dank.

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