Business-Monitor
Manager fürchten um Banken-Image

Die Subprime-Krise verursacht nicht nur wirtschaftlichen Schaden: Eine Befragung des Handelsblatt ergab, dass die Spitzenkräfte der heimischen Wirtschaft um den guten Ruf der Finanzinstitute bangen. Wie Manager die Krise im Ganzen bewerten, erfahren Sie exklusiv im Business-Monitor .

FRANKFURT. Führungskräfte der deutschen Wirtschaft sorgen sich in Folge der Krise an den internationalen Finanzmärkten um das Ansehen der heimischen Banken. Zu diesem Ergebnis kommt eine exklusive Umfrage des Handelsblatts. 31 Prozent der befragten Manager stellen „starke“ Imageeinbußen fest mit Blick auf die Verwerfungen auf dem amerikanischen Immobilienmarkt, die fast zu Pleiten bei der Mittelstandsbank IKB und der Landesbank SachsenLB geführt hätten. Weitere 58 Prozent finden, hier sei ein „wenig“ Schaden entstanden. Elf Prozent sehen gar keine Probleme. Auch der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen–Thüringen, Gregor Böhmer, kann eine „Rufschädigung nicht unmittelbar erkennen“.

Der Handelsblatt Business-Monitor ist eine repräsentative Befragung von deutschen Spitzenmanagern im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp bei 791 Führungskräften. Während die Imageverluste der deutschen Banken durch die Krise bei den Führungskräften der Wirtschaft insgesamt sehr deutlich ausfallen, bleibt das Vertrauen in die Stabilität des Bankensystems jedoch erhalten. Nur bei 15 Prozent der deutschen Topmanager ist das Vertrauen in die Stabilität des Bankensystems durch die Krise an den Finanzmärkten „sehr geschmälert“ worden. Beim Großteil der Führungskräfte (52 Prozent) hat es nur wenig gelitten. Und bei einem Drittel der Befragten ist keine Veränderung festzustellen.

Mit Blick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise auf die Realwirtschaft sind sich Politik und Manager uneins. Während Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) keine Gefahr sieht, dass die Turbulenzen den Aufschwung in Deutschland in Mitleidenschaft ziehen könnten, warnen die befragten Manager. Auch wenn die Indikatoren zum Standort-, Investitions- und Beschäftigungsklima derzeit nur kleine Rückschläge hinnehmen müssen, aber noch keine Alarmstimmung signalisieren, halten es vier von zehn der heimischen Top-Manager für möglich, dass die aktuelle Entwicklung letztlich nachteilig auf die Realwirtschaft durchschlagen wird. Derzeit gehen die Volkswirte in der Regel von einem Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent in 2007 aus.

Eine Mehrheit von 57 Prozent der Führungkräfte (siehe auch Grafik) teilt diese Sorgen allerdings nicht, die einerseits umso stärker ausfallen, je größer die Unternehmen sind, und andererseits im Branchenvergleich vor allem im Baugewerbe (62 Prozent) sowie in dem Wirtschaftszweig Handel und Verkehr (52 Prozent) angetroffen werden.

Wenn es allerdings um die künftige Entwicklung des eigenen Unternehmens geht, sind die Sorgen der deutschen Führungskräfte vor den Folgen der Subprime-Krise weitaus geringer: Nur zwei Prozent der Befragten rechnen mit „deutlichen ungünstigen Auswirkungen“, 21 Prozent gehen von leichten nachteiligen Effekten aus. Die große Mehrheit von rund drei Vierteln (76 Prozent) sieht ihre Firmen gar nicht davon betroffen.

Eine restriktivere Kreditvergabe ist nicht zu erkennen, meint der überwiegende Anteil der Manager. Nur fünf Prozent sehen hierfür „deutliche“ Anzeichen. Auch Sparkassenpräsident Böhmer kann keine Kreditklemme und damit eine steigende Zurückhaltung bei der Darlehensvergabe an Unternehmen erkennen. Er spricht angesichts der gestiegenen Zinsen allerdings von einer Normalisierung der Risikoaufschläge.

Bei den Auswirkungen höherer Zinsen auf die Unternehmen sind die Top-Manager geteilter Meinung: 46 Prozent sehen keine und fünf Prozent „zunächst“ keine Auswirkungen. Die zweite knappe Hälfte der Befragten (45 Prozent) befürchten hingegen Beeinträchtigungen entweder in leichtem (15 Prozent) oder vollem Umfang für den Geschäftsverlauf. Die Gründe liegen in steigenden Belastungen durch höhere Zinsen, Druck auf die Ertragsmargen und eine Behinderung von möglichen Investitionen, da sie teurer werden.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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