CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein mit leichtem Vorsprung vor Ministerpräsidentin Simonis: Wirtschaft wünscht sich Carstensen

CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein mit leichtem Vorsprung vor Ministerpräsidentin Simonis
Wirtschaft wünscht sich Carstensen

Die Führungskräfte der deutschen Wirtschaft ziehen bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein CDU-Spitzenkandidat Peter Harry Carstensen der amtierenden Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) vor – allerdings fällt der Vorsprung gering aus.

KIEL. Nach einer repräsentativen Umfrage des Psephos-Instituts im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. sprechen sich 45 Prozent der Manager für Carstensen aus. Simonis sähen 38 Prozent lieber im Amt. Bei der Umfrage wurden in der zweiten Januarhälfte 885 Führungskräfte telefonisch befragt.

Doch gleich wer am 20. Februar gewinnt, beide stehen vor dem Problem, dass der finanzielle Spielraum gleich Null ist. Der Schuldenberg des Landes ist auf 19,6 Mrd. Euro angewachsen. Die Pro-Kopf-Verschuldung beträgt 6 935 Euro – in Bayern liegt sie bei 1 709 Euro

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Es gibt aber auch gute Nachrichten. Die Unternehmen im Land zwischen Nord- und Ostsee sehen wieder optimistischer in die Zukunft. Wie eine Umfrage der Kieler Industrie- und Handelskammer ergab, überwiegen erstmals seit vier Jahren wieder die positiven Einschätzungen der aktuellen Geschäftslage. Zudem ist die Wirtschaft nach gestern veröffentlichten Zahlen im Jahr 2004 um 2,0 Prozent gewachsen (Grafik). Eine überraschend positive Entwicklung, die der CDU-Haushaltspolitiker Dietrich Austermann, der im Schattenkabinett Carstensens vertreten ist, auch durch Einmaleffekte zu erklären versucht. So sei beispielsweise das Kraftwerk Brunsbüttel 2004, nach Produktionsausfällen im Vorjahr, kontinuierlich am Netz gewesen und habe die Zahlen hochgetrieben, sagte Austermann dem Handelsblatt.

Eine Patentlösung für die Finanzmisere hat keine Partei. Für Ministerpräsidentin Simonis ist reines Sparen aber nicht die Lösung des Problems. „Dann würden wir uns alles wieder kaputt machen, was wir uns mühsam aufgebaut haben“, sagte Simonis dem Handelsblatt. Jetzt seien zum Beispiel strukturelle Veränderungen wie flexibles Personalmanagement nötig, sagte Simonis, die bereits Einschnitte bei den Behörden vorgenommen hat.

Flexibles Personalmanagement, das der Schiffsbau im Land schon hinter sich hat. Auch wenn sich der Kanzler bei seiner Wahlkampftour lobend über den gelungenen Umbau bei der Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) in Kiel ausgesprochen hat: Hinter dieser Entwicklung stehen ernüchternde Zahlen. Waren in den 60er Jahren noch rund 25 000 Menschen im Schiffsbau tätig, sind es heute nur noch 3 200, die auf den Werften in Kiel arbeiten.

Andere Branchen hat es im einstigen Agrarland Schleswig-Holstein noch schlimmer erwischt. Große Textilfirmen sucht man ebenso vergebens, wie die Leder verarbeitenden Betriebe. In der chemischen Industrie ist trotz riesiger Vorleistungen bereits durch CDU-geführte Landesregierungen der erhoffte Boom ausgeblieben. Auch wenn die großen Hoffnungen nicht erfüllt wurden, hat sich immerhin rund um Brunsbüttel, nur knapp eine Fahrstunde von Hamburg entfernt, ein neuer Industriestandort mit mehr als 5 500 Arbeitsplätzen entwickelt.

Der Standort Brunsbüttel, geprägt durch den Mittelstand, steht auch insgesamt für die Wirtschaftsstruktur des Landes. In keinem anderen Bundesland hängt das Wohl und Wehe so stark von den kleinen und mittleren Firmen ab. Große Arbeitgeber sind die Ausnahme. An der Spitze steht die Co op Schleswig-Holstein eG mit Sitz in Kiel, die 6 800 Arbeitnehmer beschäftigt. Dann folgen schon Post und Telekom. Der größte industrielle Arbeitgeber ist die Drägerwerk AG mit rund 4 300 Beschäftigen.

Ministerpräsidentin Simonis will auch deshalb verstärkt den Mittelstand fördern und „mit vielen kleinen Schritten Arbeitsplätze schaffen“. Große Hoffnungen setzt die Landesregierung auf Wirtschaftscluster bei allem was mit Wellness oder Medizin zu tun hat. Erfolge gibt es bereits in der Ansiedlung von Biotechnologie- und Life-Science-Firmen. Die 2 500 Windräder im Land haben ebenfalls für mehr Beschäftigung gesorgt.

Die Großunternehmen verteilen sich auf die Städte Kiel und Lübeck sowie auf das Hamburger Umland, den „Speckgürtel“. Diese Nähe zu Hamburg löst regelmäßig Debatten über den „Nordstaat“ aus. IHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann hat eine Umfrage vorgelegt, nach der sich sowohl in Hamburg als auch in Schleswig-Holstein 52 Prozent der Bürger für eine Fusion aussprechen. Driftmann hofft, dass der international gute Ruf Hamburgs auch zu Firmenansiedlungen in Schleswig-Holstein führt.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros
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