Deutlich vor Merkel
Zu Guttenberg begeistert die Wirtschaft

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) entwickelt sich gut vier Monate vor der Bundestagswahl zum wirtschaftspolitischen Zugpferd der Union. Der Bundeswirtschaftsminister genießt die mit Abstand größte Beliebtheit aller hiesigen Spitzenpolitiker unter der Elite der deutschen Wirtschaft. Er liegt laut einer Umfrage sogar ein ganzes Stück vor Bundeskanzlerin Angela Merkel.

FRANKFURT/BERLIN. Das lässt sich an einer exklusiven Umfrage von Psephos unter knapp 800 Spitzenmanagern ablesen, die das Handelsblatt und die Unternehmensberatung Droege & Comp. in Auftrag gegeben haben.

Am Mittwoch ist der Wirtschaftsminister hundert Tage im Amt. Der Senkrechtstarter unter den Bundesministern dürfte sich im Wahlkampfjahr 2009 als wertvoll für seine Partei erweisen – das hat sich mittlerweile offenbar auch bei den Parteistrategen herumgesprochen. So will die CSU ihn jetzt flächendeckend in Bayern plakatieren, obwohl er bei der Europawahl Anfang Juni überhaupt nicht zur Wahl steht. „Wir wären ja von allen guten Geistern verlassen, wenn wir die Popularität zu Guttenbergs nicht nutzen würden“, wird CSU-Chef Horst Seehofer aus internen Gesprächen zitiert. Auch Volker Kauder, Unions-Fraktionschef im Bundestag, stimmt in das Lob ein. „Herr zu Guttenberg macht einen super Job als Wirtschaftsminister – das wird die SPD spätestens im Wahlkampf spüren“, ist er sich sicher.

Bereits unmittelbar nach dem Amtsantritt zu Guttenbergs waren die Manager befragt worden und hatten ihn mit einer großen Portion Vorschusslorbeeren bedacht. Auf einer Skala von eins („sehr gut“) bis fünf („sehr schlecht“) schnitt er mit der Note 2,5 auf Anhieb mit Abstand am besten ab. Inzwischen ist die Beliebtheit des mit 37 Jahren jüngsten Wirtschaftsministers aller Zeiten noch gewachsen. Im Mai bewerteten die Führungskräfte zu Guttenberg mit 2,4.

Damit liegt der Wirtschaftsminister ein ganzes Stück vor Bundeskanzlerin Angela Merkel – und das, obwohl auch die Parteichefin der CDU ihr Ansehen unter den Spitzenmanagern seit der letzten Umfrage im April von 2,9 auf 2,7 immerhin leicht steigern konnte. Möglicherweise hat das Machtwort der Bundeskanzlerin in der Debatte um eine denkbare Steuerreform ihr Ansehen verbessert. Trotz der tiefsten Wirtschaftskrise aller Zeiten hatte Merkel Anfang des Monats angekündigt, mit dem Versprechen einer großen Steuerreform in den Bundestagswahlkampf zu ziehen.

Aus Sicht von FDP-Chef Guido Westerwelle, der Steuersenkungen zur Bedingung für eine Regierungsbeteiligung macht, herrscht innerhalb der Union dagegen „Chaos in Sachen Steuerpolitik“. Anders als Merkel konnte sich zuletzt aber weder der Chef der Liberalen noch seine Partei in der Gunst der Manager verbessern. Westerwelle wurde wie die gesamte Partei mit der Note 3,1 bewertet – und damit minimal schwächer als einen Monat zuvor (3,0).

Als wenig dienlich dürfte sich für die Liberalen die jüngste Debatte um mögliche Koalitionspartner erwiesen haben. Der Parteichef der Liberalen schloss zuletzt eine Ampelkoalition nicht mehr aus. Auch in der wöchentlichen Forsa-Umfrage für RTL und „Stern“ hatte die FDP kürzlich zwei Prozentpunkte eingebüßt. Mit 14 Prozent liegt die Partei aber immer noch auf einem für sie sehr hohen Niveau. Zum Vergleich: Bei der Bundestagswahl im Jahr 2005 hatte die FDP nicht einmal zehn Prozent erreicht.

Die Sozialdemokraten hatten in der Bevölkerungsumfrage mit 26 Prozent zwar ihren Jahreshöchstwert erreicht – in der durch den Handelsblatt Business-Monitor ermittelten Gunst der Manager konnten sie zuletzt dagegen nicht hinzu gewinnen. Die gesamte Partei liegt unverändert bei 3,4. Ihre Spitzenpolitiker, Bundesaußenminister und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sowie Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, bewerten die Führungskräfte der deutschen Wirtschaft mit 2,9 – und damit genauso wie im Vormonat.

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