Deutliche Mehrheit befürwortet Arbeitslosengeld II
Manager glauben nicht an Job-Welle durch Hartz IV

In den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft trifft die Arbeitsmarktreform Hartz IV auf breite Zustimmung. Zugleich erwartet aber nur eine Minderheit der Top-Manager, dass Hartz IV neue Jobs bringt. Zu diesem Ergebnis kommt der Handelsblatt Business-Monitor, eine repräsentative Umfrage des Psephos-Instituts im Auftrag der Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp.

huh BERLIN. Mehr als die Hälfte der befragten Führungskräfte (53 Prozent) glaubt, dass durch die Neuregelungen zum Arbeitslosengeld II keine neue Arbeitsplätze entstehen. 45 Prozent sind gegenteiliger Ansicht und rechnen mit zusätzlichen Stellen durch die Reform. Die Bundesregierung plant, Anfang Januar die Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammenzufassen zum Arbeitslosengeld II. Davon betroffen sind knapp 3,5 Mill. Langzeitarbeitslose. Für mehrere hunderttausend Bezieher von Arbeitslosenhilfe bedeutet die Reform Einschnitte bei der staatlichen Leistung, die Zumutbarkeit von gering entlohnten Jobs wird verschärft. Im Gegenzug sollen die Arbeitslosen besser gefördert werden. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) erhofft sich von der Reform im kommenden Jahr mindestens 100 000 zusätzliche reguläre Arbeitsplätze.

Besonders die Führungskräfte im Baugewerbe und in der Dienstleistungsbranche sind da pessimistischer. Sie erwarten zu 64 Prozent beziehungsweise zu 55 Prozent keine neuen Jobs durch Hartz IV. Regional betrachtet sind vor allem die Manager in Ostdeutschland skeptisch. In den Führungsetagen der Industrie dagegen halten sich Optimisten und Pessimisten in etwa die Waage.

Ungeachtet der Skepsis bezüglich der Wirkung auf die Beschäftigung befürworten die befragten Manager Hartz IV nahezu einmütig. 91 Prozent sind für die Einführung des Arbeitslosengelds II, sieben Prozent sind dagegen. Auch in Ostdeutschland ist die Zustimmung mit 88 zu zehn Prozent nur unwesentlich geringer.

Die umstrittenen Ein-Euro-Jobs werden nach Ansicht von 59 Prozent der Führungskräfte keine Arbeitskräfte auf dem ersten Arbeitsmarkt gefährden. Immerhin 38 Prozent der Befragten verbinden mit diesem neuen arbeitsmarktpolitischen Instrument jedoch die Furcht vor einem Verdrängungswettbewerb. Mit den so genannten Ein-Euro-Jobs sollen Langzeitarbeitslose wieder an das Erwerbsleben herangeführt werden. Es soll sich um gemeinnützige Tätigkeiten handeln, die von regulären Arbeitskräften nicht verrichtet werden. Die Arbeitslosen erhalten dafür zusätzlich zum Arbeitslosengeld II eine Aufwandsentschädigung von ein bis zwei Euro pro Stunde.

Während die Manager von Großunternehmen nur zu elf Prozent Gefahren durch die Ein-Euro-Jobs sehen, erwarten ihre Kollegen in Unternehmen mit 100 bis 500 Beschäftigten zu 40 Prozent Verdrängungseffekte. Kaum überraschend ist, dass in der Bauwirtschaft sogar eine Mehrheit der Befragten Gefahren für reguläre Stellen sieht. Denn in dieser Branche tummelt sich ein Großteil der bisherigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM).

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