Exklusiv-Umfrage
Konzerne verschärfen interne Kontrollen

Von Korruptionsskandalen wie bei Siemens und Volkswagen aufgeschreckt, bauen deutsche Unternehmen ihre internen Kontrollen deutlich aus. So haben rund drei Viertel der Firmen in jüngster Zeit die Systeme verstärkt, mit denen sie intern die Einhaltung von Gesetzen und Verhaltensregeln, Compliance genannt, überwachen.

HB DÜSSELDORF. Dies zeigt der Handelsblatt Business-Monitor, eine Befragung von 767 deutschen Top-Managern im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. „Deutsche Topmanager nehmen das Thema Compliance ernst“, kommentiert Georg Wolters, Partner von Droege & Comp, die Ergebnisse. Spektakuläre Fälle wie die Steuerhinterziehungsvorwürfe gegen Post-Chef Klaus Zumwinkel sensibilisieren die Verantwortlichen in den Firmen zusätzlich.

Es ist vor allem das US-Recht, das international tätige deutsche Konzerne zum Handeln drängt. Denn die Antikorruptionsregeln FCPA gelten auch für Unternehmen, die in den USA an der Börse notiert sind oder dort Niederlassungen haben. Folge ist, dass vor allem größere deutsche Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern durchgreifen: 95 Prozent der vom Handelsblatt befragten Manager dieser Gruppe haben die Kontrollen verschärft.

Die Firmen wollen damit Gesetzesverstöße und Fehlverhalten vermeiden. Besonders problematische Tatbestände sind Bestechung bei der Auftragsvergabe sowie Kartellabsprachen. Die Konsequenzen für die Unternehmen sind hart; nicht nur der Fall Siemens hat das gezeigt. Der Imageschaden ist meist gewaltig, auch drohen hohe Geld- und Haftstrafen. Siemens hat bereits 201 Millionen Euro Bußgeld an den bayerischen Finanzminister überwiesen, um zumindest eines der vielen Korruptionsverfahren abzuschließen. Die SEC kann weit drastischere Strafen verhängen.

Um vorzubeugen, haben fast alle großen Unternehmen ihre Ethikrichtlinien, die den Umgang mit Geschäftspartnern regeln, verschärft. Zudem werden externe Ombudsmänner engagiert, die Mitarbeitern für anonyme Hinweise zur Verfügung stehen. Im Trend liegen Chief Compliance Officer (CCO), die das Einhalten von Regeln und Gesetzen im Unternehmen an der Spitze einer konzernweiten Compliance-Organisation verantworten. Umfragen belegen, dass alle Dax-Konzerne über ein Compliance-Management verfügen, die Mehrzahl der Dax-Konzerne hat gar eine separate Compliance-Organisation eingerichtet. Über eigene CCOs dürften inzwischen zwei von drei der großen deutschen Unternehmen verfügen.

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