Finanzierung durch Subventionsabbau
Topmanager fordern Steuersenkung

Für Deutschlands Topmanager steht das Thema Steuerreform ganz oben auf der Agenda für den Wahlkampf 2009. Acht von zehn Führungskräften halten eine Steuerreform in der nächsten Legislaturperiode für wichtig oder sehr wichtig. Dies zeigt der Handelsblatt Business-Monitor, eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Psephos im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. unter rund 800 Topmanagern.

DÜSSELDORF. Entlastungen seien vor allem in der Einkommensteuer und bei den Unternehmensteuern besonders dringlich, so die Führungskräfte der deutschen Wirtschaft; 66 bzw. 57 Prozent sehen hier akuten Handlungsbedarf. Dagegen wird die Anfang 2007 eingeführte "Reichensteuer" - ein Zuschlag zur Einkommensteuer für Spitzenverdiener - nur von 13 Prozent als großes Problem gesehen.

Und wie soll der Staat angesichts drastisch steigender Zinslasten in den nächsten Jahren seinen Handlungsspielraum erhalten? Für die Topmanager eine klare Sache: 81 Prozent fordern Subventionskürzungen. Nach Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft leistete sich Deutschland zuletzt über 140 Mrd. Euro staatliche Subventionen und Steuervergünstigungen. Abwrackprämie, Pendlerpauschale, Abzugsfähigkeit von Handwerkerrechnungen und mögliche direkte Hilfen des Staates für in Not geratene Unternehmen und Banken dürften diesen Wert noch deutlich in die Höhe treiben.

Außerdem sollte der Staat die Wachstumskräfte stärken. Zwei von drei Managern sehen im Wirtschaftswachstum die beste Waffe im Kampf gegen den rasant wachsenden Schuldenberg. Gut ein Drittel der Befragten setzt auf die Kürzung von Sozialleistungen; lediglich acht Prozent halten Steuererhöhungen für akzeptabel, 39 Prozent der Manager sind strikt dagegen.

Doch genau darauf setzten die linken Parteien. Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering will mit einem "Bildungssoli" und einer "Börsenumsatzsteuer" die Staatseinnahmen erhöhen. Außerdem erwägt die SPD die "Reichensteuer" auszuweiten - derzeit werden Einkommen oberhalb von 250 000 Euro mit 45 statt mit 42 Prozent besteuert. Im Gegenzug könnten kleinere Einkommen etwas entlastet werden. Ganz ähnlich sind die Vorstellungen der Grünen: "Reiche und Vermögende sollen mittels Vermögensbesteuerung stärker zur Finanzierung unseres Gemeinwesens beitragen", heißt es in einem Beschluss der Bundesdelegiertenkonferenz. Außerdem soll der Spitzensteuersatz steigen und im Gegenzug der Grundfreibetrag erhöht werden. Auch die Linkspartei will Gutverdiener zur Kasse bitten.

Das sehen die Wirtschaftslenker anders. Lediglich drei Prozent von ihnen halten höhere Unternehmensteuern angesichts der prekären Staatsfinanzen für akzeptabel; fünf Prozent würden eine höhere Einkommensteuer schlucken. Etwas überraschend ist, dass immerhin jeder sechste Manager eine höhere Reichensteuer billigen würde. Sogar fast 40 Prozent würden eine Börsenumsatzsteuer akzeptieren - wohl in der Hoffnung, selbst nicht davon betroffen zu sein. Besonders groß ist die Zustimmung für diesen Vorschlag von Linkspartei und Sozialdemokraten bei ostdeutschen und bei jungen Managern unter 40 Jahren.

So groß die Löcher in den öffentlichen Haushalten in Deutschland auch sein werden - so dramatisch wie in Island, Irland und in Rumänien ist die Lage hierzulande nicht. Vor allem internationale Organisationen fordern daher von Deutschland, mehr für andere, noch stärker von der Weltrezession gebeutelte EU-Staaten zu tun. Deutschlands Topmanager sind in dieser Frage gespalten. Genau die Hälte von ihnen ist der Auffassung, Deutschland sollte vom Staatsbankrott bedrohte Mitgliedstaaten der EU nicht unterstützen; die andere Hälfte ist dafür. Am ehesten zur Hilfe bereit sind Topmanager von Großunternehmen; dagegen lehnen junge Führungskräfte finanzielle Hilfen Deutschlands mit großer Mehrheit ab.

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