Folgen der Krise
Optimismus der Manager verfliegt

Deutschlands Top-Managern schlägt die Finanzkrise aufs Gemüt. Sie wollen nach eigenen Angaben weniger investieren und weniger neue Mitarbeiter einstellen, als noch im Sommer beabsichtigt. Das zeigt der Handelsblatt-Business-Monitor.

DÜSSELDORF. Der Business-Monitor ist eine repräsentative Befragung deutscher Spitzenmanager im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. Sie wird in regelmäßigen Abständen durchgeführt.

In der aktuellen Befragung werden auch die Bedingungen am Standort Deutschland wieder zunehmend kritischer gesehen. Nachdem im zweiten Quartal 2007 noch fast 90 Prozent die Bedingungen als „gut“ oder „eher gut“ bezeichnet hatten, vergeben aktuell nur noch 71 Prozent dieses Prädikat. Das ist der schlechteste Wert seit fast zwei Jahren. Nur drei Prozent der Manager erwarten, dass sich die Bedingungen in den nächsten zwölf Monaten verbessern werden – vor einem Jahr glaubten dies noch elf Prozent.

„Der Trend zu einer skeptischen Sichtweise setzt sich fort“, urteilen die Meinungsforscher. Von einem Einbruch der Stimmung nach den Bankpleiten in den USA kann bislang jedoch noch nicht die Rede sein.

Die schlechtere Stimmung unter den Top-Managern deckt sich mit anderen Frühindikatoren für die deutsche Wirtschaft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex befindet sich seit Monaten auf Talfahrt, die Einkaufsmanager in der Industrie waren zuletzt pessimistisch wie lange nicht mehr und selbst der verwöhnte Maschinen- und Anlagenbau meldete einen Einbruch der Bestellungen aus dem Ausland. „Nach Jahren im Sog des globalen Wirtschaftsbooms bekommt die deutsche Wirtschaft nun die Kehrseite der hohen Exportabhängigkeit zu spüren“, sagt Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.

Vor diesem Hintergrund haben bereits fast alle Volkswirte ihre Wachstumserwartungen für 2009 kräftig auf im Mittel ein halbes Prozent nach unten geschraubt. Am kommenden Dienstag werden die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognose vorstellen, zwei Tage später verkündet Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) seine Erwartungen. Bislang geht die Regierung von 1,2 Prozent Wachstum aus. Klar ist jetzt schon, dass diese Prognose nicht haltbar ist. In Regierungskreisen hieß es, die Frage sei wohl nicht mehr, ob, sondern wie tief und wie lange Deutschland in die Rezession rutsche – mit entsprechenden Folgen für Haushalte und Arbeitsmarkt.

Dass der Boom am Arbeitsmarkt sich dem Ende neigt, bestätigt auch der Handelsblatt-Business-Monitor: Nur noch 27 Prozent der Unternehmen planen in den nächsten zwölf Monaten Neueinstellungen; 21 Prozent wollen ihr Personal dagegen verringern. Zum Vergleich: Vor einem Jahr betrug das Verhältnis noch 41 zu zwölf Prozent. Dagegen hatte erst vergangene Woche der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, betont, dass mit keinen gravierenden Auswirkungen der Finanzkrise auf den Arbeitsmarkt im Jahr 2009 zu rechnen sei. „Ich gehe davon aus, dass die Arbeitslosigkeit auf dem Niveau von 2008 bleiben, vielleicht sogar sinken wird“, sagte Weise.

Wie verunsichert dagegen die Top-Manager sind, zeigt ihre Zurückhaltung bei den Investitionen: Nach 39 Prozent im Vorjahr wollen nun nur noch 24 Prozent von ihnen in den kommenden zwölf Monaten mehr investieren, 16 Prozent – dreimal so viele wie vor einem Jahr – planen dagegen Investitionskürzungen. Besonders schlecht ist das Verhältnis in der sehr konjunktursensiblen Bauwirtschaft .

Zusätzlich zur Berichterstattung im Handelsblatt sind die Umfrageergebnisse in einem Berichts- und Tabellenband detailliert aufgeschlüsselt. Die vollständigen Ergebnisse des Handelsblatt Business-Monitors können Sie telefonisch bestellen unter: 0800-0002056 oder unter: www.handelsblatt-shop.com

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