Handelsblatt-Business-Monitor
Arbeitsrecht benachteiligt Ältere

Gerade ältere Menschen tun sich bei der Stellensuche hier zu Lande so schwer wie kaum irgendwo sonst in Europa. Der Handelsblatt Business-Monitor zeigt in einer Repräsentativumfrage unter 806 Führungskräften, worauf Unternehmen bei der Einstellung von Personal achten.

BERLIN. Die geplante Anhebung des Rentenalters rückt eine besonders dunkle Schattenseite des deutschen Arbeitsmarkts ins Blickfeld: Gerade ältere Menschen tun sich bei der Stellensuche hier zu Lande so schwer wie kaum irgendwo sonst in Europa. Mit gerade einmal 42 Prozent rangiert Deutschland beim Anteil der Beschäftigten in der Altersgruppe von 55 bis 64 Jahren am unteren Ende der Vergleichsskala.

Für Deutschlands Top-Manager liegen die Ursachen klar auf der Hand: Mehr als drei Viertel von ihnen sehen in einem zu rigiden Arbeitsrecht das entscheidende Hemmnis, mehr Ältere einzustellen. Das zeigt der Handelsblatt Business-Monitor, eine Repräsentativumfrage des Psephos-Instituts im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. unter 806 Führungskräften. Zudem bemängeln immerhin vier von zehn Befragten, dass ältere Arbeitnehmer unter dem Strich höhere Arbeitskosten verursachen würden als jüngere.

Eher nachrangige Bedeutung hat dagegen der mögliche Einwand, dass Ältere weniger leistungsfähig seien. Nur eine Minderheit von 17 Prozent der Top-Manager glaubt, dass jüngere Bewerber deswegen systematisch zu bevorzugen seien. Eine leicht nachvollziehbare Ausnahme ist die von körperlich harter Arbeit geprägte Baubranche: Dort führen 25 Prozent eine geringere Leistungsfähigkeit der Älteren als Hindernis an.

Zentrales Beschäftigungshemmnis ist jedoch offenkundig weiter der Kündigungsschutz – die Unternehmen sehen dadurch ihre Handlungsfähigkeit eingeschränkt und fürchten, sich im Notfall gerade von älteren Arbeitnehmern nur schwer wieder trennen können. Nach den Regeln der Sozialauswahl ist das Lebensalter zwar nur eines von mehreren Kriterien, das Arbeitgeber beim Personalabbau beachten müssen. Theoretisch kann daher einem neu eingestellten Älteren leichter gekündigt werden als einem jüngeren Arbeitnehmer, der bereits eine längere Betriebszugehörigkeit hat. „Es gibt dabei aber Unschärfen, die Unsicherheit schaffen“, sagt der Arbeitsrechtsanwalt Jobst-Hubertus Bauer, Partner der Kanzlei Gleiss Lutz in Stuttgart. Im Übrigen gelte: Stellt ein Unternehmen zeitgleich einen 30-Jährigen und einen 55-Jährigen ein, so muss es sich im Ernstfall zuerst von dem Jüngeren trennen.

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