Handelsblatt Business-Monitor
„Europa in der Krise“

Chefredakteure europäischer Wirtschaftszeitungen interpretieren die Umfrage.

Bernd Ziesemer, Chefredakteur Handelsblatt:

Immer mehr Unternehmer fragen sich: Ist die Europäische Union (EU) Teil unserer Probleme - oder Teil ihrer Lösung? Vor allem die Firmen in Deutschland, Frankreich und Italien leiden unter der allgemeinen Wachstumsschwäche auf dem Kontinent. Die Erweiterung der Union nach Osten hat ihnen zwar viele neue Absatzmärkte und Investitionschancen beschert. Zugleich enthüllt der zunehmende Wettbewerbsdruck jedoch auch mit Schumpeterscher Gnadenlosigkeit die Schwächen von "Old Europe".

Viele kleine und mittlere Unternehmer reagieren deshalb mit einem Abwehrreflex gegen eine weitere schnelle Erweiterung der EU. Doch Abschottung kann keine Alternative sein: Die EU muss sich endlich wandeln, damit sie weiter wachsen kann. Wir sollten Tony Blair also eigentlich dankbar sein.

Pascal Aubert, stellv. Chefredakteur La Tribune:

Die Chefs der Unternehmen in den großen Volkswirtschaften der Europäischen Union (EU) haben den Blues, und man kann sie verstehen. Die maue Stimmung reflektiert die jüngsten Turbulenzen an den Energie- und Devisenmärkten sowie die sozialen und politischen Erschütterungen. Außer in Großbritannien, wo der makroökonomische Erfolg neidisch werden lässt, bröckelt die Stimmung bei den Unternehmensführern weiter ab. Das ist auf die bestehenden Schwierigkeiten der jeweiligen Länder zurückzuführen. In Frankreich und Deutschland lässt die faktische Paralyse der Politik die Manager nicht gerade optimistisch in die Zukunft schauen. Dieser "kontinentale Kater" lässt sich nicht verschleiern, vor allem nicht vor dem Hintergrund eines strahlend dastehenden Großbritanniens.

Osvaldo De Paolini Chefredakteur Finanza&Mercati

Europas Manager sind derzeit alles andere als optimistisch. Dafür haben sie gute Gründe. Die europäische Idee, die stets von den Regierungen und "Business Communities" in Deutschland, Frankreich sowie in Italien unterstützt worden ist, hat einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Gleichzeitig bleiben die strukturellen Probleme der großen Volkswirtschaften des Kontinents ungelöst. Kein Wunder, dass innerhalb der Eliten Orientierungslosigkeit um sich greift. Dabei gibt es durchaus Rezepte gegen die Verzagtheit. So zeigt uns in diesen Wochen die bislang größte grenzüberschreitende Fusion im Finanzsektor zwischen Unicredito und Hypo-Vereinsbank, dass alte Strukturen aufgebrochen werden können. Ergebnis sind neue und leistungsstärkere Systeme - zum Wohle Europas.

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