Handelsblatt Business Monitor
Europas Firmen geben 2008 Vollgas

Europas Spitzenmanager blicken voller Zuversicht in das kommende Jahr: Die Umfrage Handelsblatt Business Monitor ergab, dass 90 Prozent der Führungskräfte genau so gute oder noch bessere Geschäfte wie in diesem Jahr erwarten. Am zuversichtlichsten sind Manager in einem Land, das nicht zur EU gehört.

DÜSSELDORF. Die Marktforschungsinstitute Psephos, die Innofact AG und Marketagent befragten im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. im Juni knapp 1 200 Top-Manager aus sechs Ländern – Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz. Am meisten Zuversicht herrscht unter den Führungskräften der Schweiz: Hier erwarten 94 Prozent, dass die Geschäfte im nächsten Jahr ebenso gut wie 2007 oder noch besser laufen werden.

In anderen wichtigen Volkswirtschaften ist die Zuversicht kaum geringer. In Großbritannien sind 93 Prozent der Führungskräfte optimistisch, in Österreich 92 Prozent. In Deutschland rechnen 87 Prozent der Spitzenmanager mit erfolgreichen Geschäften im kommenden Jahr, in Frankreich sind es 86 Prozent, in Italien immerhin noch 82 Prozent.

„Die Unternehmen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit in den letzten Jahren deutlich verbessert haben, ernten nun die Früchte ihrer Anstrengung“, sagt der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner, dem Handelsblatt. Dass Deutschland einen derart kräftigen Wirtschaftsaufschwung erlebe, verdanke der Exportweltmeister zu gut 80 Prozent der seit Jahren boomenden Weltwirtschaft. Wie stark die Bundesrepublik davon profitiert, überrascht jedoch selbst den Außenhandelsexperten: 2006 hatte der Verband noch mit einem Exportwachstum von sechs Prozent im laufenden Jahr gerechnet. Inzwischen korrigierte er seine Prognose auf zehn Prozent.

Diese hohe Schlagzahl wird die Gesamtwirtschaft nach Einschätzung europäischer Spitzenmanager auch im kommenden Jahr beibehalten. Fast 80 Prozent der Befragten rechnen damit, dass die Konjunktur 2008 verglichen mit diesem Jahr besser oder genauso gut laufen wird.

Wo der Aufschwung derzeit besonders stark ist – in Deutschland, der Schweiz und in Österreich – ist der Anteil der Manager groß, die eine „gleich gute“ Entwicklung erwarten. In Großbritannien, Frankreich und Italien hingegen sagen deutlich mehr Manager eine „bessere“ konjunkturelle Entwicklung voraus. Volkswirte wie der Chef des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, halten den Wirtschaftsaufschwung schon für so kraftvoll, dass er bis zum Ende des Jahrzehnts anhalten könnte.

Bereits das erste Halbjahr 2007 hat die Erwartungen der europäischen Spitzenmanager deutlich übertroffen. Auf die Frage, wie sich die allgemeine Konjunktur und die eigenen Geschäfte in den ersten sechs Monaten entwickelt haben, antwortet gut jeder zweite Top-Manager „deutlich besser“ oder „etwas besser“ als erwartet. In Deutschland ist der Überraschungseffekt besonders stark: Acht von zehn Führungskräften hätten nicht mit einer so starken Wirtschaftsbelebung gerechnet.

Das gilt auch für den deutschen Einzelhandel. Dessen Perspektiven galten wegen der zu Jahresbeginn um drei Prozentpunkte auf 19 Prozent erhöhten Mehrwertsteuer als besonders trübe. Die Handelsblatt-Umfrage widerlegt diese Einschätzung: Fast 70 Prozent der Spitzenmanager geben an, mit Blick auf die konjunkturelle Entwicklung seien ihre Erwartungen klar übertroffen worden. Bei der Einschätzung der eigenen Geschäftsentwicklung ist immerhin noch fast jeder zweite Manager positiv überrascht. „Im vergangenen Jahr habe auch ich befürchtet, dass die Mehrwertsteuererhöhung die Gesamtwirtschaft stärker treffen wird“, räumt BGA-Präsident Börner ein. Dass sich der Aufschwung trotz des schwachen privaten Konsums derart robust zeige, sei „überraschend“.

Dennoch sieht Börner in der momentan herrschenden Euphorie eine große Gefahr. Er befürchtet, dass wichtige Baustellen wie die Flexibilisierung des Arbeitsrechts, eine Vereinfachung des Steuerrechts und eine „wirkliche“ Konsolidierung des Staatshaushaltes unbearbeitet bleiben. Verglichen mit anderen Ländern sehe Deutschland in diesen Politikbereichen immer noch schlecht aus. „Wir müssen unsere permanente Angst vor Risiken ablegen, die wir selbst in Boomphasen wie dieser haben, und mehr Anreize für Arbeitgeber und Arbeitnehmer setzen“, fordert der BGA-Präsident. Dann sei in Deutschland ein stetiges Wachstum der Wirtschaft von 3,5 Prozent im Jahr möglich.

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