Handelsblatt Business-Monitor International
Italien ist das neue Sorgenkind Europas

Italien hat Deutschland als das neue Sorgenkind Europas abgelöst. Das Land steckt in der Rezession, während Deutschland sich tapfer über der Wachstumsschwelle hält. Wie der Handelsblatt Business-Monitor International zeigt, ist die Stimmung der italienischen Top-Manager gegenüber der letzten Befragung im Dezember 2004 gekippt.

pbs DÜSSELDORF. Hatten Ende vergangenen Jahres noch knapp 60 Prozent die Rahmenbedingungen als "eher gut" oder "gut" eingeschätzt, sind es jetzt nur noch 17 Prozent. Inzwischen beurteilen italienische Firmenchefs die gegenwärtigen Standortbedingungen sogar noch pessimistischer als ihre deutschen Kollegen. Ende 2004 waren die Deutschen noch die Schwarzseher.

Auch in Frankreich wird die Lage am Standort zunehmend skeptischer betrachtet. Gegen den Trend stemmen sich nur die Briten. Zusammen 82 Prozent der britischen Manager beurteilen die aktuelle Lage als "gut" oder "eher gut". Die Verschlechterung in Italien darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Deutschland drei Viertel der Manager die Standortbedingungen "eher schlecht" oder "schlecht" finden. Auch hier zu Lande hat sich die Stimmung wieder leicht verschlechtert.

Die künftige Entwicklung der Rahmenbedingungen in den kommenden zwölf Monaten wird in jedem Land anders beurteilt. Italiens Manager blicken am hoffnungslosesten in die Zukunft - nachdem sie noch im Dezember die optimistischsten Chefs überhaupt waren.

Hier zu Lande hat die Hoffnung auf vorgezogene Neuwahlen den Managern einen Ruck gegeben: 44 Prozent - das sind 13 Prozentpunkte mehr als im Dezember - rechnen mit einer Verbesserung der Standortbedingungen. Allerdings erwarten immerhin noch 39 Prozent mit "gleich schlecht bleibenden" Bedingungen. Am meisten Zuversicht findet man in Großbritannien: 66 Prozent Optimisten stehen nur 28 Prozent Skeptiker gegenüber.

In Frankreich hat sich die Sicht der Zukunft kaum verändert. Zusammen 51 Prozent der Manager sehen "verbesserte" oder "gleich gut bleibende" Rahmenbedingungen.

Das Investitionsklima hat sich seit Ende 2003 in allen vier Ländern leicht verbessert. Vorreiter sind auch hier die Briten: 53 Prozent nach 38 Prozent im Dezember wollen im kommenden Jahr mehr investieren. Eigentümlicherweise wollen auch im rezessionsgeplagten Italien 51 Prozent der Manager die Investitionen hoch fahren - im Dezember waren es 56 Prozent. Möglicherweise sind Rationalisierungsinvestitionen geplant - bei der Frage nach der künftigen Unternehmensstrategie räumen die Italiener der Effizienzsteigerung deutlichen Vorrang vor der Beschleunigung des Wachstums ein. Schlusslicht bei den Investitionsplänen sind die Deutschen, hinter den Franzosen.

Deutliche Unterschiede gibt es bei den regionalen Schwerpunkten der Investitionen. Den Managern aller vier Staaten ist die Vorliebe für Investitionen am heimischen Standort gemeinsam. Vergleichsweise stark im Ausland engagiert sind deutsche Unternehmer, gefolgt von den britischen. Die Franzosen konzentrieren sich dagegen am stärksten auf den heimischen Standort: 68 Prozent wollen dort investieren, bei den Italienern sind es 59 Prozent. Ein besonderer Fokus auf die Boomregion China wird nur in Deutschland und Großbritannien gelegt.

Die meisten Manager streben bei den geplanten Auslandsinvestitionen keine Verlagerung von Betriebsteilen an - mit Ausnahme von Italien, wo 39 Prozent der Befragten Teile der Produktion verlagern wollen. Für diejenigen, die im Ausland aktiv werden wollen, hat die Verlagerung der Produktion Vorrang vor der Auslagerung von Vertrieb, Forschung und Entwicklung oder Administration.

Keine wesentlichen Veränderungen gibt es dagegen beim Beschäftigungsklima, das in Deutschland am schlechtesten ist: 35 Prozent der Manager wollen in den kommenden zwölf Monaten Stellen abbauen.

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