Handelsblatt Business-Monitor
Kritik der Manager am Standort nimmt zu

Der Standort Deutschland verliert bei den hier zu Lande aktiven Top-Manager wieder deutlich an Ansehen. Sowohl die aktuellen Standortbedingungen als auch ihre Entwicklung in den nächsten zwölf Monaten beurteilen die Führungskräfte im Mai so kritisch wie seit dem vergangenen Sommer nicht mehr. Das geht aus dem jüngsten Handelsblatt Business-Monitor hervor, für den das Hamburger Psephos-Institut im Auftrag von Handelsblatt und der Unternehmensberatung Droege & Comp. 857 Manager befragt hat. Insbesondere bei den Beschäftigungsplänen hinterlässt das verschlechterte Standortklima bereits Spuren: Mehr Unternehmen als in den vergangenen vier Monaten wollen Stellen abbauen.

DÜSSELDORF. Die Ergebnisse des Handelsblatt Business-Monitors passen zu einer ganzen Reihe schlechter Stimmungsindikatoren der jüngsten Zeit. So ist der Ifo-Geschäftsklimaindex im April zum dritten Mal in Folge gesunken. Zuvor hatten bereits institutionelle Anleger, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung zu den Konjunkturaussichten befragt, den Daumen gesenkt. Außerdem signalisierte die jüngste Umfrage unter Einkaufsmanagern, dass sich die Konjunktur in den nächsten Monaten abschwächt.

In diese Indikatoren fließen vorwiegend die Beurteilung des konkreten Wirtschaftsgeschehens wie Nachfrage, Exportchancen, Produktion, aber auch Einschätzungen zu Ölpreis und Eurokurs ein. Für die Benotung der Standortbedingungen im Rahmen des Handelsblatt Business-Monitors sind weitere Faktoren von Bedeutung: die wirtschaftspolitische Diskussion, Stand der Reformen, tarifpolitische Entwicklungen und Behinderungen beispielsweise durch die Bürokratie. Deshalb dürften sich in den im Mai verschlechterten Standort-Urteilen auch Unzufriedenheit mit der Umsetzung der zwischen Regierung und Opposition vereinbarten Job-Gipfel-Beschlüsse von März sowie Unbehagen über die von SPD-Parteichef Franz Müntefering ausgelöste Kapitalismuskritik niederschlagen.

Besonders deutlich wird der Abwärtstrend bei der Einschätzung, wie sich die Standortbedingungen in den nächsten zwölf Monaten verändern werden. Während im April noch fast ein Viertel der Führungskräfte eine Verbesserung erwartete, sind es im Mai nur noch 16 Prozent. Das ist das schlechteste Ergebnis seit März 2003. Einschließlich derjenigen, die mit gleich guten Bedingungen rechnen, hat sich das Lager der Optimisten innerhalb eines Monats von gut zwei Fünftel (42 Prozent) auf ein Drittel (34 Prozent) verkleinert. Die Anteile der pessimistischen Kategorien „gleich schlecht“ und „verschlechtern“ nahmen entsprechend um je vier Prozentpunkte auf 52 bzw. 14 Prozent zu. Überdurchschnittlich skeptisch sind kleine Unternehmen sowie die Industrie – abgesehen vom ohnehin krisengeschüttelten Bau.

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