Handelsblatt Business-Monitor
Manager kritisieren Arbeitslosengeld-Pläne

Die von der Großen Koalition erwogene Verlängerung des Bezugs von Arbeitslosengeld I für ältere Arbeitnehmer sehen Deutschlands Manager in der Mehrheit kritisch. Die Hälfte der im Handelsblatt Business-Monitor befragten knapp 700 Führungskräfte erwartet, dass „eine längere Bezugsdauer die Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer vermindert“.

doh FRANKFURT. Fast ein Drittel sieht durch eine längere Bezugsdauer nur noch einen geringeren finanziellen Spielraum für Beitragssenkungen und beurteilt sie daher negativ. Die Koalition erwägt, für ältere Arbeitnehmer und/oder langjährige Beitragszahler die Bezugsdauer von heute maximal 18 auf bis zu 24 Monate zu erhöhen.

Das Marktforschungsinstitut Psephos hat die Umfrage im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. vom 25. Oktober bis 8. November durchgeführt. Mehrfachnennungen waren möglich.

Vier von zehn Führungskräften gewinnen den Plänen aber etwas Positives ab, „weil damit ältere Arbeitnehmer vor einem Absturz in Hartz IV bewahrt werden“. Zudem begrüßen 15 Prozent den Vorschlag, weil sie sich davon eine Erleichterung des Personalabbaus durch Frühverrentung versprechen.

Früher erhielten ältere Arbeitnehmer bis zu 32 Monate Arbeitslosengeld. Mit Hilfe von Abfindungen konnte sich die Wirtschaft so relativ einfach und kostengünstig schon fast drei Jahr vor Rentenbeginn von solchen Mitarbeitern trennen – auf Kosten der Bundesagentur für Arbeit und damit der Beitragszahler.

Kurzfristig erwarten die Manager von möglichen weiteren Beitragssenkungen keine Änderung ihrer Personalpolitik. 88 Prozent gaben an, ein Arbeitslosenbeitrag von 3,5 Prozent hätte „gar keinen Effekt“ auf ihre Beschäftigungspläne. Selbst eine Herabsetzung auf drei Prozent hätte keinerlei Wirkung auf die Einstellungsbereitschaft von 82 Prozent. Die Regierung hat bereits beschlossen, den Beitragssatz kommendes Jahr um 0,3 Punkte auf 3,9 Prozent zu senken. Eine weitere Absenkung auf 3,5 Prozent ist im Gespräch; Experten halten sogar drei Prozent für finanzierbar.

Um kurzfristig zusätzliche Jobs zu schaffen, wäre eine reine Beitragssenkung aus Sicht des Arbeitsmarktexperten Dennis Snower ohnehin nicht das richtige Instrument. „Die Mitnahmeeffekte wären sehr groß“, sagte der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft dem Handelsblatt. Mittel- bis langfristig hätten geringere Lohnkosten aber eine „große Wirkung“.

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