Handelsblatt-Business-Monitor
Manager sehen Raum für Lohnplus

Die Gewerkschaften können sich zumindest in der Tendenz bestätigt fühlen: Der Spielraum für Lohnerhöhungen ist in diesem Jahr auch nach Meinung der deutschen Top-Manager größer als 2006. Damals hielt nicht einmal jeder Fünfte ein Plus von zwei Prozent oder mehr für vertretbar, inzwischen sind es beinahe zwei Drittel.

BERLIN. Das zeigt der Handelsblatt-Business-Monitor, eine Repräsentativumfrage des Psephos-Instituts für das Handelsblatt und die Unternehmensberatung Droege & Comp. unter knapp 800 Führungskräften. Die Antworten wurden in der Zeit vom 24. Januar bis 7. Februar erhoben.

Zwar gehen die jüngsten Lohnforderungen der Gewerkschaften deutlich über diesen Rahmen hinaus. Die IG Metall etwa fordert in der Lohnrunde für die Metall- und Elektroindustrie ein Plus von 6,5 Prozent. Unabhängig von den konkreten Zahlen streiten die Tarifparteien aber auch darüber, wie sich der Spielraum gegenüber dem Vorjahr verändert hat. Dabei argumentiert der Arbeitgeberverband Gesamtmetall, dass die Zuwächse – gemessen an den einschlägigen Konjunkturprognosen – diesmal geringer ausfallen müssten als 2006.

Dennoch billigen die Führungskräfte der Metall- und Elektroindustrie den Beschäftigten sogar einen besonders starken Anstieg der Spielräume für die Lohnpolitik zu, zeigt der Handelsblatt-Business-Monitor: Jeder sechste Top-Manager der Branche hält derzeit selbst Erhöhungen von drei Prozent oder mehr für vertretbar, während 2006 die Drei vor dem Komma noch durchweg als Tabu galt. Im Durchschnitt der Gesamtwirtschaft kann sich indes auch 2007 nicht einmal jede zehnte Führungskraft eine solche Zahl vorstellen.

Ähnlich wie bei Metall ist das Bild allerdings in den Sektoren Bergbau, Chemie, Energie: Auch dort sehen diesmal immerhin 14 Prozent der Führungskräfte Spielraum für eine Drei vor dem Komma. Zugleich unterscheiden sich die Urteile aber durchweg deutlich nach Unternehmensgröße: Bei kleinen und mittleren Firmen halten immerhin gut ein Drittel der Befragten bereits Steigerungen von zwei Prozent für zu hoch, bei Großunternehmen sind dies weniger als ein Viertel.

Ganz anders als die Gewerkschaften argumentieren die Top-Manager aber in der Frage, welche Rolle befristet wirksame Einmalzahlungen in der Tarifrunde 2007 spielen sollten: Immerhin fast ein Drittel plädiert dafür, die Beschäftigen ganz überwiegend in dieser Form an den Zuwächsen zu beteiligen und weitgehend auf dauerhafte Tariferhöhungen zu verzichten. Daneben wünscht sich eine Mehrheit von 52 Prozent, Einmalzahlung und dauerhafte Erhöhung etwa gleichgewichtig zu gewähren.

Die Metall-Tarifparteien hatten in der Lohnrunde 2006 neben der regulären Erhöhung um drei Prozent eine Einmalzahlung von 310 Euro vereinbart, war durchschnittlich 0,8 Prozent eines Jahresgehalts entspricht. Die neue Lohnforderung der IG Metall zielt aber ausdrücklich auf eine dauerhafte Erhöhung. Und auch die Chemie-Gewerkschaft IG BCE will diesmal den Anteil der dauerhaften Erhöhung stärken. Sie hatte 2005 einen Tarifanstieg von 2,7 Prozent plus 1,2 Prozent Einmalzahlung erreicht.

Bemerkenswert ist, dass sich die generellen Vorbehalte der Top-Manager gegen den Flächentarifvertrag in jüngster Zeit etwas relativiert haben. Zwar tritt noch immer fast jeder Vierte dafür ein, solche branchenweiten Vorgaben ganz abzuschaffen. Immerhin zwölf Prozent wollen aber inzwischen unverändert am Flächentarif festhalten. Das ist rund ein Drittel mehr als in den Jahren 1999 und 2006.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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