Handelsblatt Business-Monitor
Nur wer informiert, bekommt Kredit

Eine Handelsblatt-Umfrage unter Top-Managern hat ergeben: Die Banken halten in Sachen Kredite an ihrer harten Linie in Krisenfällen fest.

FRANKFURT. Die Bereitschaft deutscher Banken, Unternehmen in der Krise finanziell zu unterstützen, hat in den vergangenen zwölf Monaten eher ab- als zugenommen. So jedenfalls nimmt es ein großer Teils von gut 800 Führungskräften wahr, die das Forschungsinstitut Psephos im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. für den Handelsblatt Business-Monitor befragte.

Immerhin 47 % der Befragten waren der Meinung, dass die Hilfsbereitschaft der Banken sich stark (24 %) oder „etwas“ (23 %) verringert habe. Nur 6 % vermochten eine leichte Verbesserung zu erkennen. Und rund ein Drittel empfand das Gebaren der Banken als unverändert. Besonders betroffen fühlten sich offenbar Manager aus der Chemie (57 % verringerte Bereitschaft), der Grundstoffindustrie (58 %) und der Immobilienwirtschaft (61 %).

Die Banken selbst bestätigten ihre Zurückhaltung: 36 % konstatierten verringerte, 50 % unveränderte Bereitschaft zur Krisenhilfe. Ganze 11 % billigten sich eine etwas erhöhte Hilfsbereitschaft zu.

„Die Banken hatten in den vergangenen Jahren enorme Wertberichtigungen auf Firmenkredite zu verkraften“, rechtfertigt Walter Bickel, Restrukturierungsexperte bei Droege & Comp., diese Zurückhaltung. „Deswegen knüpfen sie Kreditvergaben daran, dass sie deutlich mehr und genauere Informationen von den Unternehmen erhalten.“

Dass dies besonders im Krisenfall gilt, hat Herbert Vogel, Vorstandsvorsitzender des IT-Dienstleisters Itelligence AG, erfahren müssen. Als sein Unternehmen 2002 wegen der Schieflagen mehrerer Auslandstöchter ins Schleudern geriet, wollten ihm seine Banken zunächst den Geldhahn zudrehen.

Selbst als es mit großer Anstrengung gelungen war, das Vertrauen der Banker in das Geschäftsmodell des SAP-Systemhauses einigermaßen wiederherzustellen, blieb die Zusammenarbeit schwierig. „Die Hilfe war anfangs sehr begrenzt und unterlag extrem hohen Auflagen“, berichtet Vogel. Vor allem das geforderte detaillierte monatliche Reporting machte dem Unternehmen zunächst zu schaffen. „Erst als die Banken gesehen hatten, dass wir dazu bereit waren und es auch konnten, wurde die Kommunikation besser.“

Hilfreich war zudem, dass der Geschäftsverlauf die Prognosen des Itelligence-Vorstands im Laufe der Monate immer deutlicher übertraf – inzwischen schreibt der SAP-Partner wieder schwarze Zahlen. Von der heißen Phase geblieben ist ein sehr scharfes, zeitnahes und stark zukunftsgerichtetes Controlling.

Über die Wichtigkeit des Finanzmanagements sind sich die deutschen Manager völlig einig. 54 % der befragten Führungskräfte messen dem Liquiditäts-, Working-Capital- und Assetmanagement eine sehr hohe, weitere 42 % eine hohe Bedeutung zu, jedenfalls als Instrument zur Krisenbewältigung. Christian Sommer, Alleinvorstand der inzwischen weitgehend genesenen Cinemedia Film AG, bestätigt diese Einschätzung: „Weil die Finanzplanung gerade in der Krise enorme Bedeutung hat, haben wir sie immer weiter verfeinert – vom Monats- über den Wochen- bis zum Tagesrhythmus. So behält man alle Geldbewegungen im Griff. Wir werden an diesem Instrument auch in Zukunft festhalten.“

Das empfiehlt auch Droege-Partner Bickel. „Traditionell steht in Deutschland die Orientierung an Umsatz und Ergebnis im Vordergrund. Viele Beispiele zeigen aber, dass gerade die Vernachlässigung des Finanzmanagements zu existenzbedrohenden Krisen führen kann“, sagt er.

Auch darüber sind sich die Manager einig: Die Krisenfrüherkennung hat eine sehr hohe (71 %) oder hohe (28 %) Bedeutung. Durchgesetzt hat sich überdies die Erkenntnis, dass klassische Kostensenkungsprogramme nicht für einen Turnaround ausreichen (87 %).

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