Handelsblatt-Business-Monitor
Schröder punktet bei Managern nicht

An diesem Sonntag ist es wieder so weit: Beim zweiten Fernsehduell zwischen Kanzler und Herausforderer geht es um die entscheidenden Stimmen in der Gunst der Wähler. Für die deutsche Wirtschaft steht das Urteil jedoch schon fest: Die Entscheider wollen Edmund Stoiber als Regierungschef.

DÜSSELDORF. Der „Daily Telegraph“ ist irritiert. Edmund Stoiber lasse im Wahlkampf erstmals Selbstzweifel erkennen. Sein Anhang warte noch immer auf einen Angriff gegen Gerhard Schröder wegen dessen schlechter wirtschaftlicher Bilanz, schreibt das britische Blatt. Was die Beobachter jenseits des Ärmelkanals wundert, verstehen auch die deutschen Chefetagen nicht. In der jüngsten Befragung im Rahmen des Handelsblatt Business-Monitors sagen die Führungskräfte der deutschen Wirtschaft deutlich, was sie von der Leistung der rot-grünen Koalition in der vergangenen Legislaturperiode halten – nämlich wenig.

Nach dem chaotischen Regierungsbeginn hatten die Top-Manager das „Projekt“ Rot-Grün zwar auf niedrigem Niveau allmählich besser bewertet. Insbesondere die Arbeit von Finanzminister Hans Eichel, der den so unversehens schon nach fünf Monaten amtsmüden Oskar Lafontaine beerbte, stieß in der monatlichen Befragung immer wieder auf das Wohlwollen der Wirtschaftselite. Doch inzwischen sind die Noten schon wieder da, wo sie Anfang 1999 schon einmal waren. Auf einer von 1=„sehr gut“ bis 5= „sehr schlecht“ reichenden Bewertungsskala kommt die Bundesregierung wenige Wochen vor der Bundestagswahl nur auf eine 3,6. Im April 1999 – noch mitten in den ersten Monaten der Orientierungslosigkeit – lag Rot-Grün immerhin bei 3,5.

Dabei lassen sich die Top-Leute der deutschen Wirtschaft auch nicht von dem Krisenmanagement Gerhard Schröders nach der Hochwasserkatastrophe beeindrucken. Bei der Wahlbevölkerung konnte der Kanzler damit so sehr punkten, dass SPD und CDU/CSU nach einer gestern veröffentlichten Forsa-Umfrage mit jeweils 39 Prozent gleichauf liegen. Die Manager dagegen, deren Befragung drei Tage nach Beginn des Hochwassers begann, sehen keinen Anlass zu besseren Bewertungen für Rot-Grün. Im letzten Herbst war das noch anders: Da überzeugte Schröders Politik nach dem 11. September auch die Top-Manager.

Hintergrund dürfte sein, dass den Unternehmenslenkern Schröders Ideen zur Bewältigung der finanziellen Folgen der Flutkatastrophe nicht passen. Noch nicht einmal ein Drittel (30 %) hält die von der Bundesregierung vorgesehene Verschiebung der Steuerreform von 2003 auf 2004 für den richtigen Weg. Viel lieber würden die Entscheider es sehen, wenn die Schäden aus Gewinnen der Bundesbank (46 %) oder durch Haushaltsumschichtungen (44 %) finanziert werden – Vorschläge, die so auch von der Opposition gemacht worden sind.

Da überrascht es nicht, dass Union und FDP sowohl bei einzelnen Politikern wie auch bei der Gesamtbewertung im Urteil der Wirtschaft Boden gut machen oder sich wenigsten halten. Die Union bekommt wie im Vormonat eine 3,1 – davon kann Rot-Grün nur träumen. Die FDP macht einen Sprung von 3,5 auf 3,2. Auch hier unterscheiden sich Wirtschaftselite und Wahlbevölkerung deutlich: Die Liberalen mussten in dem Umfragen unter den Wählern zuletzt Einbußen hinnehmen und sind von ihrem selbst gesteckten Ziel von 18 Prozent weiter entfernt denn je. Bei den Managern dagegen konnte sich Guido Westerwelle sogar noch steigern: Er kletterte von 3,2 auf 3,1.

Dass der FDP-Vorsitzende nicht beim TV-Duell der Kanzlerkandidaten dabei sein durfte, spielt dabei keine Rolle. Überhaupt fließt das Fernseh-Match zwischen Stoiber und Schröder wegen der zeitlichen Anlage der Befragung nur zum geringen Teil in das September-Urteil der Manager ein. Doch ein kleines Minus muss auch der CSU-Vorsitzende hinnehmen: Lag er vor der Sommerpause noch bei einer Note von 2,7, ist es jetzt nur noch eine 2,8 (Grafik). Zum Vergleich: Im Februar konnte Stoiber bei den Managern noch eine Traumnote von 2,4 verzeichnen. Unmittelbar vor der Bundestagswahl liegen aber damit immer noch Welten zwischen dem Herausforderer und dem Bundeskanzler. Dieser kommt jetzt auf eine 3,3, im Juni war es noch eine 3,4.

Erstmals wurde übrigens auch der vom SPD-Fraktionschef zum neuen Verteidigungsminister ernannte Peter Struck von der Wirtschaft beurteilt. Das ist interessant, weil er neben Finanzminister Eichel als Protagonist einer Nach-Schröder-Ära bei einer Wahlniederlage der Sozialdemokraten gilt. Doch Strucks Wertung 3,3 ist mager. Neue Minister wurden eigentlich in den Umfragen zunächst einmal tendenziell mit einem Vertrauensvorschuss bedacht. Erstaunlich viel halten die Manager dagegen wieder von Angela Merkel (2,8 nach 3,1) – ein Vorklang auf die größere Rolle der CDU in einer möglichen großen Koalition?

Quelle: Handelsblatt

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