Handelsblatt Business-Monitor
Spitzenmanager strafen Union ab

Die Union sollte sich stärker auf ihre wirtschaftspolitischen Kompetenzen konzentrieren. Fast neun von zehn Top-Managern, die für den Handelsblatt Business-Monitor befragt wurden, leiten diese Empfehlung aus den Ergebnissen der Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen ab. Adressat dürfte vor allem CDU-Chefin Angela Merkel sein.

FRANKFURT. Die Bundeskanzlerin genießt zwar in der Wirtschaft immer noch das größte Ansehen aller Unionspolitiker – sie verlor zuletzt aber am deutlichsten. Für den Handelsblatt Business-Monitor hat das Psephos-Institut im Auftrag dieser Zeitung und der Unternehmensberatung Droege & Comp. knapp 800 Top-Manager in Deutschland befragt. Sie bewerten regelmäßig die wichtigsten Regierungsmitglieder mit Noten auf einer Skala von eins („sehr gut“) bis fünf („sehr schlecht“).

Nachdem Kanzlerin Merkel im November 2007 noch mit der Note 2,4 bewertet wurde, liegt sie nun bei 2,8 – so schlecht wie zuletzt im Herbst 2006. Ausschlaggebend für diesen Rückschlag dürften die Landtagswahlen in Niedersachsen und Hessen Ende Januar gewesen sein: Sechs von zehn Managern sind der Ansicht, dass Merkel „geschwächt“ aus den Wahlen hervorgegangen ist. Insbesondere in der Mitte Deutschlands – der Region also, in der der hessische CDU-Ministerpräsident Roland Koch eine Schlappe hinnehmen musste – kamen die Spitzenmanager zu diesem Schluss.

Die Lehre aus den Wahlen ist aus Sicht der Wirtschaft eine einfache: „Die Union sollte sich stärker auf ihre wirtschaftspolitischen Kompetenzen konzentrieren“ – dieser Ansicht sind 87 Prozent der Befragten. Den eingeschlagenen Weg finden dagegen nur elf Prozent so gut, dass sie CDU und CSU raten, ihn weiterzugehen. Insbesondere Manager zwischen 50 und 59 Jahren sind der Ansicht, Wirtschaftpolitik spiele eine zu geringe Rolle in der Strategie der Union (90 Prozent). Dagegen meinen das in der Gruppe der Wirtschaftsvertreter unter 40 Jahren nur 78 Prozent.

„Diesem Wunsch der Wirtschaft wird die Union nicht nachkommen – weil der Schock nach der Bundestagswahl 2005 immer noch sehr, sehr tief sitzt“, erwartet der Politikwissenschaftler Jürgen Falter. Damals habe die Partei einen klaren neoliberalen Kurs gefahren und erhebliche Verluste hinnehmen müssen.

Zahlreiche Wirtschaftsvertreter hatten sich besorgt über den Ausgang der Landtagswahlen geäußert. „Der Linksruck in Deutschland setzt sich fort“, hatte beispielsweise BDI-Präsident Jürgen Thumann dem Handelsblatt gesagt. Der Chefvolkswirt der Dresdner Bank/Allianz, Michael Heise, bekräftigte gestern seinen „Appell an die Regierung, politische Führung zu übernehmen“. Wirtschaftspolitik könne nicht an Umfragen orientiert werden. Dass unbequeme Reformen nicht beliebt seien, sei klar, sagte er dem Handelsblatt.

Nachdem Die Linke sowohl in Niedersachsen als auch in Hessen in den Landtag eingezogen ist, erwarten 45 Prozent der Manager „einen generellen Linksruck“. Speziell in Großunternehmen ist die Befürchtung verbreitet (50 Prozent).

Die größte Sorge der Manager ist, dass Mehrheitsbildungen und Regieren insbesondere auf Länderebene schwieriger werden. Das befürchten 92 Prozent als Folge des Linksrucks. Dass die SPD sich stärker als bislang links positionieren und damit die Große Koalition blockieren wird, erwarten obendrein 88 Prozent. Diese Entwicklung, darin ist sich die Mehrheit der Manager einig, dürfte nicht von kurzer Dauer sein: „Bei der Bundestagswahl 2009 wird sich die Linkspartei stärker als bislang als politische Kraft etablieren“, so 84 Prozent.

Ihre Hoffnung setzen die Führungskräfte offenbar stärker als vor der Wahl auf die Liberalen: Während alle Politiker schlechter bewertet wurden als in der letzten Umfrage im November, steigerte FDP-Chef Guido Westerwelle seine Beliebtheit von 3,7 auf 3,3. Damit gehört er aber immer noch zu den am schwächsten bewerteten Bundespolitikern. Schlechter als er schneiden nur SPD-Chef Kurt Beck (3,9) und sein erstmals im Business-Monitor bewerteter Parteikollege, Arbeitsminister Olaf Scholz, ab (3,6). Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) büßte zuletzt leicht an Ansehen ein und landete wie Westerwelle bei 3,3. Eine zwei vor dem Komma haben neben Merkel nur Außenminister Frank-Walter Steinmeier (2,6) und Finanzminister Peer Steinbrück (2,8) (beide SPD).

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