Handelsblatt Business-Monitor
Top-Manager kritisieren Aufsichtsräte

Deutschlands Unternehmen werden nach Auffassung der Top-Manager des Landes zu lasch kontrolliert. Das ist das Ergebnis des Handelsblatt Business-Monitors. Heftige Kritik üben die Führungskräfte insbesondere an der Arbeit der Aufsichtsräte. Trotzdem hält die Mehrheit der Unternehmer die Gefahr von Bilanzskandalen wie beim italienischen Lebensmittelkonzern Parmalat in Deutschland für wenig wahrscheinlich.

DÜSSELDORF. Für den Business-Monitor befragt das Meinungsforschungsinstitut Psephos im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. monatlich 850 Top-Entscheider der deutschen Wirtschaft.

Die Kritik an den Mandatsträgern ist nicht neu. „Wenn Aufsichtsräte sich mehr um die Geschäftspolitik kümmern würden, wäre die Zahl der Unternehmensschieflagen geringer“, sagt Christian Strenger, Mitglied der Regierungskommission Corporate Governance. Der Aufsichtsrat soll das Unternehmen bei wichtigen Entscheidungen unterstützen und der Geschäftsführung auf die Finger schauen. Die Wirklichkeit sieht nach Ansicht der deutschen Top-Manager jedoch anders aus: 80 % der Führungskräfte sind der Meinung, dass die Aufsichtsräte ihrer Kontrollfunktion nicht ausreichend nachkommen.

Bessere Noten geben die Unternehmer dagegen den Wirtschaftsprüfern: Immerhin 60 % der Befragten bewerten die Arbeit der Kontrolleure positiv. Doch mehr als ein Drittel (37 %) ist auch bei den Prüfern der Meinung, dass deren Leistung nicht ausreicht. Dieser Meinung sind auch die Politiker in Brüssel und Berlin. EU-Kommissar Frits Bolkestein will deshalb die federführenden Leiter einer Bilanzprüfung künftig persönlich in die Haftpflicht nehmen. In Deutschland wiederum empfiehlt ein von den Bilanzspezialisten Jörg Baetge und Marcus Lutter geleiteter Expertenkreis Bundesjustizministerin Brigitte Zypries sogar, Wirtschaftsprüfer bei grober Fahrlässigkeit nicht nur gegenüber ihren Mandanten, sondern auch gegenüber Aktionären oder Insolvenzgläubigern haftbar zu machen.

Die Bundesregierung hatte erst kurz vor Weihnachten den Entwurf eines „Bilanzkontrollgesetzes“ vorgelegt. Damit soll das Vertrauen der Anleger in den Kapitalmarkt, das durch Bilanzskandale wie Enron oder Parmalat erschüttert worden ist, wieder hergestellt werden. Dafür soll noch in diesem Jahr die „Prüfstelle für Rechnungslegung“ gegründet werden. Das Gremium hat privatrechtlichen Charakter und überprüft in staatlichem Auftrag stichprobenartig oder nach einer Anzeige die Jahresabschlüsse von Konzernen. Weigern sich Unternehmen, mit der privaten Bilanzpolizei zu kooperieren, soll als zweite Stufe die staatliche Aufsichtsbehörde Bafin eingreifen.

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