Handelsblatt Business-Monitor
Top-Manager lehnen Finanzinvestoren ab

Deutsche Top-Manager haben mittlerweile erhebliche Vorbehalte gegenüber der Private-Equity-Branche: Dem aktuellen „Handelsblatt Business-Monitor“ zufolge, einer repräsentativen Befragung von Führungskräften, hat sich der Anteil der Gegner stark erhöht - ein Gutteil gibt sogar an, mit Finanzinvestoren nie und nimmer zusammenarbeiten zu wollen.

DÜSSELDORF. Zwar erwarten die Führungskräfte der deutschen Wirtschaft zwar mit großer Mehrheit eine wachsende volkswirtschaftliche Bedeutung der Finanzinvestoren. Gleichzeitig stehen sie einer möglichen Zusammenarbeit mit Private-Equity-Gesellschaften aber sehr kritisch gegenüber. Das ist ein Ergebnis des „Handelsblatt Business-Monitors“, der im April und im Mai 2007 erhoben wurde.

Danach rechnen 81 Prozent der Manager damit, dass Beteiligungsgesellschaften in Zukunft eine stärkere Rolle bei der Finanzierung und Kapitalausstattung spielen werden, vor drei Jahren waren es 73 Prozent gewesen. Allerdings sind immer weniger Manager bereit, mit den Private-Equity-Häusern zusammenzuarbeiten. Nur noch zwei (2004: vier) Prozent der Firmenlenker stehen einer Zusammenarbeit „sehr positiv“ gegenüber, dagegen hat sich der Anteil negativer Einschätzungen auf 37 Prozent fast verdreifacht. Und für rund jeden dritten Unternehmer kommt eine Zusammenarbeit prinzipiell „nicht in Frage“.

In der Analyse des Psephos-Instituts im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege heißt es dazu, offenkundig wirke die „Heuschrecken-Debatte“ nach. Diese war vom früheren SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering im Frühjahr 2005 losgetreten worden. Das Vorgehen von Finanzinvestoren beim Badamaturenhersteller Grohe hatte ihn damals zu harscher Kritik veranlasst. Finanzinvestoren fielen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasten sie ab und zögen dann weiter, hatte Müntefering damals gesagt. Heute sieht die SPD die Situation differenzierter und arbeitet intensiv am neuen Private-Equity-Gesetz mit, dass Anfang 2008 die bisher unklaren steuerlichen Rahmenbedingungen klären soll.

Wenig schmeichelhaftes Zeugnis für Geschäftsmodell

Private-Equity-Fonds sammeln bei institutionellen Investoren ihre Mittel ein, um damit Konzernteile oder Mittelständler zu kaufen. Nach einer drei- bis vierjährigen Restrukturierung reichen sie die Beteiligungen dann oft zu einem höheren Preis an strategische Käufer oder an andere Finanzinvestoren weiter. Diesem Geschäftsmodell stellen die Top-Manager aber ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus. Im Handelsblatt Business-Monitor sind 63 Prozent der Entscheider der Meinung, Private Equity bürde den Unternehmen eine zu hohe Schuldenlast auf. Und sogar 71 Prozent meinen, dass die Finanzinvestoren keine neuen, zusätzlichen Arbeitsplätze schaffen.

Eine deutliche Mehrheit von fast zwei Drittel der Führungskräfte spricht sich sogar für eine stärkere Kontrolle der Beteiligungsbranche durch den Gesetzgeber – etwa durch die Bankenaufsicht – aus. Außerdem trauen die Top-Manager den Private-Equity-Häusern auch zu, dass sie „in nächster Zeit“ ein Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) übernehmen werden. Acht Prozent sind sich da „sicher“, 55 Prozent halten einen solchen Mega-Deal für „wahrscheinlich“.

Beim Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) sagte Geschäftsführerin Dörte Höppner, man werde in den kommenden Monaten die Aufklärungsarbeit über die Branche intensivieren. Dabei suche der Verband den Dialog mit Politikern, Unternehmern und Gewerkschaftlern. „Die großen Buyouts stehen oft im Fokus, aber die Palette an Beteiligungskapital ist viel breiter, das müssen wir noch stärker herausstellen“, sagte Frau Höppner. Als Beispiel nannte sie Häuser, die nur Minderheitsanteile kaufen.

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