Handelsblatt-Business-Monitor
Wirtschaft tadelt Regierung und Opposition

Der stetige Aufstieg im Ansehen der deutschen Top-Manager, den die Bundesregierung in den vergangenen Monaten verzeichnen konnte, ist vorerst zu Ende: Im September rutschte die Leistungsbewertung der rot-grünen Koalition auf die Durchschnittsnote 3,8 ab. Dies ist Ergebnis des Handelsblatt Business-Monitors, einer repräsentativen Umfrage unter mehr als 800 deutschen Top-Managern, die das Psephos-Institut im Auftrag des Handelsblatts monatlich durchführt.

DÜSSELDORF. Auf einer Notenskala von 1 („sehr gut“) bis 5 („sehr schlecht“) entspricht der September-Wert dem Urteil „schlecht“. Im August hatte die Note der Regierung noch bei 3,7 gelegen, Tiefpunkt war der Wert von 4,4 im Dezember 2002.

Besonders verdrossen über die Arbeit der rot-grünen Koalition ist das Baugewerbe: Die von der Kürzung der Eigenheimzulage bedrohte Branche gibt der Regierung die Durchschnittsnote 4,0. Drei von vier Entscheidern (73 %) aus der Bauwirtschaft halten die Arbeit des Schröder-Kabinetts für schlecht oder sehr schlecht. Über alle Branchen gesehen lehnen 66 % die Arbeit der Bundesregierung ab.

Gerhard Schröder selbst sank im September ebenfalls in der Gunst der Manager. Der Kanzler kommt nun nur noch auf die Durchschnittsnote von 3,7 nach 3,6. Mehr als zwei Drittel (69 %) der Entscheider halten Schröder inzwischen für einen schlechten oder sehr schlechten Kanzler, bei der vergangenen Befragung im Juli/August waren es nur 63 %. Allerdings: Vom Tiefpunkt seiner Popularität nach dem verpatzten Start in die zweite Amtszeit ist der Kanzler immer noch deutlich entfernt. Im Dezember 2002 lehnten noch 90 % der Top-Entscheider Schröders Arbeit ab.

Das in der Wirtschaft beliebteste Kabinettsmitglied ist nach wie vor Außenminister Joschka Fischer. Allerdings büßte auch er etwas an Beliebtheit ein – die Top-Manager gaben ihm im September die Note 3,0 nach 2,9. Bundesfinanzminister Hans Eichel bleibt die Zustimmung der Wirtschaftselite nach wie vor versagt (4,1; August: 4,0). Nur Superminister Wolfgang Clement kann punkten und schließt mit 3,2 (August: 3,3) in der Beliebtheitsskala allmählich zu Spitzenreiter Fischer auf.

Die Union kann aber auch in diesem Monat nicht von der Schwäche der rot-grünen Bundesregierung profitieren: Ihr Ansehen liegt mit 3,6 nur geringfügig über dem der Bundesregierung. Im Vergleich zu Juli/August (3,5) ist die Reputation der CDU/CSU ebenfalls etwas gesunken. Parallel dazu entwickelt sich das Urteil über CDU-Chefin Angela Merkel: Sie liegt bei 3,5 (August: 3,4). Nach wie vor überwiegt aber knapp die Zustimmung zu ihrer Arbeit: 51 % halten sie für gut oder befriedigend. Zu einem „sehr gut“ wollte sich seit Juni allerdings auch bei Merkel kein Befragter mehr durchringen.

Die FDP hat trotz ihrer Wirtschaftsnähe in den Führungsetagen zur Zeit ebenfalls nur wenig Freunde: Ihre Durchschnittsnote stagniert bei 3,7. Fast zwei Drittel (61 %) der Top-Manager sind unzufrieden. In den Großunternehmen fällt die Ablehnung sogar noch deutlicher aus – die Liberalen kommen dort nur auf eine Durchschnittsnote von 4,0. Mehr als drei Viertel der Konzern-Manager (77 %) beurteilen die Arbeit der Liberalen als schlecht oder sehr schlecht. Das bekommt auch FDP-Chef Guido Westerwelle zu spüren: Er liegt wie schon im August bei 3,8.

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