Handelsblatt Business-Monitor zeigt aber auch Defizite bei Mittelstandskontakten auf
Top-Manager sehen wichtigere Rolle für Finanzinvestoren

Den Finanzinvestoren wird in Zukunft eine höhere Bedeutung für die deutsche Wirtschaft beigemessen. Laut den Ergebnissen des jüngsten Business-Monitors des Handelsblatts, einer regelmäßigen repräsentativen Umfrage unter deutschen Top-Managern, erwarten rund drei Viertel der befragten Entscheider in Zukunft eine „stark zunehmende“ beziehungsweise „eher zunehmende“ Bedeutung der Private-Equity-Häuser.

FRANKFURT/M. Dabei werden die Finanzinvestoren in erster Linie als Kapitalgeber für Zukunfts- und Wachstumsinvestitionen gesehen. Nur zehn Prozent bezeichnen sie als Partner im Rahmen von Nachfolgregelungen für Familiengesellschaften. Das zeigt, dass sich die vornehmlich angelsächsisch geprägten Kapitalgeber weiter schwer tun, im Mittelstand Fuß zu fassen. „Hier ist noch sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten, um das über Jahrzehnte entstandene Vorurteil, Finanzinvestoren filetierten Firmen, zu widerlegen“, sagt Rudolf Kinsky von der Beteiligungsgesellschaft 3i Deutschland.

Wie das Meinungsforschungsinstitut Psephos im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. unter 790 Managern weiter herausfand, hatte bisher nur ein Drittel der Unternehmen überhaupt Kontakt mit Private-Equity-Gesellschaften. Möglicherweise, so vermuten Branchenkenner, konzentrieren sich die Wagniskapitalgeber derzeit stark auf die deutschen Mischkonzerne, die Unternehmensteile an Finanzinvestoren veräußern wollen, um sich auf ihre Kerngeschäftsfelder zu fokussieren. Bei den kleinen Unternehmen sind die Beteiligungsmanager offenbar noch nicht sehr stark präsent, 69 Prozent wurden hier in den vergangenen zwölf Monaten nicht von einem Finanzinvestor angesprochen.

Zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Zusammenarbeit mit Finanzinvestoren zählen die Top-Manager neben der Kapitalkraft der Private-Equity-Anbieter (53 Prozent) auch deren Branchenerfahrung, die von 46 Prozent der Befragten genannt wurde. „Einen guten Deal zu finden, ist das eine, aber die Betreuung der Portfoliounternehmen wird immer wichtiger“, hat Jan Giessler, Partner bei der Unternehmensberatung Droege, beobachtet. Während die Private-Equity-Branche in den 80er-Jahren als Synonym für die Zerschlagung von Konglomeraten stand und in den 90er-Jahren die Finanzierungsexperten die Szene beherrschten, stehe heute das aktive Management in den Portfoliounternehmen im Vordergrund, glaubt Giessler. Dabei müssten die Eigenkapitalgeber noch stärker als früher herausstellen, dass sie am Wachstum der Zielunternehmen ein vitales Interesse hätten. „Industrielle Wettbewerber wollen Synergien heben und schließen Standorte, wir dagegen nicht“, argumentiert Kinsky von 3i. „In Zukunft wird es immer wichtiger werden, über Lenkungsausschüsse regelmäßig im Dialog mit den Unternehmen zu stehen. Auch ein dichteres Controlling wird sich durchsetzen", so Giessler.

Letztlich trete an die Stelle des Gebens und Nehmens von Eigenkapital eine Art Dienstleistungsverhältnis zwischen Private-Equity-Haus und dem Zielunternehmen. Giessler fordert von den Beteiligungsmanagern zukünftig noch mehr Einsatz. „Viele Finanzinvestoren setzen befreundete Spezialisten in die Kontrollgremien, das hat aber mit aktiver Unternehmenssteuerung nichts zu tun.“ Was oft noch fehle sei eine Art „active corporate governance“.

Ein Beispiel für eine „buy and build“-Strategie ist die Übernahme der Fischrestaurant-Kette Nordsee durch den Finanzinvestor Apax im Jahr 1997 vom Unilever-Konzern. In einem ersten Schritt wurde das Logistik-Geschäft Deutsche See im Rahmen eines Buyouts abgetrennt, in die Restaurants wurden dann 60 Mill. Euro für die Modernisierung investiert. Die Zahl der „Stores“ hat sich seit dem Einstieg von Apax auf 427 von 300 erhöht. Und neue Jobs wurden laut Gesamtbetriebsratsvorsitzender Werner Blasko auch geschaffen, aktuell würden knapp 6000 Mitarbeiter beschäftigt.

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