Im Urteil der deutschen Wirtschaftselite kann der Bundeskanzler kaum Boden gut machen
Stoiber erhöht Vorsprung vor Schröder

Im Rennen um das Kanzleramt musste Edmund Stoiber zuletzt auch in den Chefetagen der Unternehmen Image-Einbußen hinnehmen. Doch der CSU-Chef ist dabei, das Tief zu überwinden.

DÜSSELDORF. Im Duell der Kanzlerkandidaten von SPD und Union hat Edmund Stoiber bei den Führungskräften der deutschen Wirtschaft wieder Boden gut gemacht. 69 Prozent der Top-Manager würden den CSU-Vorsitzenden jetzt nach der Bundestagswahl lieber als Kanzler sehen, 17 Prozent ziehen den Amtsinhaber Gerhard Schröder vor. Dies ergab der Handelsblatt Business Monitor, die vom Psephos-Institut erhobene Repräsentativumfrage unter den Entscheidern in der deutschen Wirtschaft, im Mai.

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Damit hat Stoiber seinen Vorsprung wieder auf 52 Punkte ausgeweitet, nachdem dieser im April gegenüber März deutlich geschrumpft war (von 58 auf 48 Punkte). Besonders starke Präferenzen für Edmund Stoiber zeigen sich bei Managern aus Großunternehmen (78 %), aus dem Baugewerbe (80 %) sowie der Metall- und Elektroindustrie (75 %).

Einen noch deutlicheren Vorsprung vor dem sozialdemokratischen Kanzler weist der CSU-Politiker im Meinungsbild der Wirtschaftselite auf, wenn es um die Frage der größeren ökonomischen Kompetenz geht. 75 Prozent halten Stoiber im Bereich der Wirtschaftspolitik und der Förderung des Wachstums für fähiger. Nur 9 Prozent sehen Schröder hier im Vorteil.

Im Mai äußern sich die Führungskräfte der Wirtschaft wieder etwas kritischer als im Vormonat über das Wirken der rot-grünen Bundesregierung: Zusammen 68 Prozent bewerten deren Arbeit als schlecht (58 %; +4 gegenüber April) oder sehr schlecht (unverändert 10 %), die Durchschnittsnote auf einer von 1 (=sehr gut) bis 5 (= sehr schlecht) reichenden Skala verschlechtert sich von 3,7 auf 3,8.

Während die Bewertungen für Bundeskanzler Gerhard Schröder (3,6) im Mai unverändert bleiben, konnte Stoiber in der Leistungsbeurteilung der Unternehmensführer wieder zulegen: Der CSU-Vorsitzende steigerte sich von 3,0 auf 2,8. Der ungünstige Trend für den bayerischen Ministerpräsidenten zwischen Februar und April (Verschlechterung der Note von 2,4 über 2,7 auf 3,0) ist damit gestoppt.

Unmittelbar nach dem schlechten Abschneiden der SPD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 21. April hatte Gerhard Schröder angekündigt, im Bundestagswahlkampf verstärkt auf eine Personalisierung der Entscheidung zwischen den beiden Kanzlerkandidaten setzen zu wollen. Ein solches Wahlkampf-konzept stößt allerdings bei der großen Mehrheit der Wirtschaftselite auf klare Vorbehalte: 87 Prozent finden, die Kampagnen der Parteien vor der Bundestagswahl sollten sich an politischen Inhalten ausrichten.

Noch nicht in die Befragung eingeflossen ist das Streben der FDP, bei diesem auf Personen fokussierten Wahlkampf mitzuhalten, und zwar mittels der Benennung eines eigenen Kanzlerkandidaten Guido Westerwelle. Doch über eines können sich die Liberalen, traditionell eine der Wirtschaft nicht unfreundlich gegenüberstehende Partei, auf jeden Fall freuen: Im Mai erhielt die FDP ihre bislang beste Bewertung seit Beginn der monatlichen Erhebungen zum Business-Monitor Anfang 1999, also kurz nach der letzten Bundestagswahl.

Ihr Auftreten findet bei nur noch 14 Prozent (-8 im Vergleich zu April 2002) der Top-Manager Ablehnung, 35 Prozent (+12) äußern sich lobend, 51 Prozent (-2) vergeben die Note „3“ (befriedigend). Die Durchschnittsnote, die sich daraus berechnet, beträgt nun 2,8 (nach 3,0). Möglicherweise ist diese Imageverbesserung der Liberalen auch ein Reflex auf ihr ungewöhnlich gutes Abschneiden in Sachsen-Anhalt.

Auch die andere Oppositionspartei, die CDU/CSU, findet mit ihrem Wirken in der Wirtschaft wieder deutlich mehr Akzeptanz. Ihre Note verbessert sich von 3,4 (im April) auf 3,2 und fällt damit um einiges besser aus die für die amtierende Bundesregierung.

Vier der sieben ihr zugehörigen Kabinettsmitglieder, deren Leistungen monatlich im Business-Monitor bewertet werden, erhalten im Mai ebenfalls schlechtere Noten als zuvor: Das betrifft Wirtschaftsminister Werner Müller (von 3,6 auf 3,7), Arbeitsminister Walter Riester (von 4,0 auf 4,1), Umweltminister Jürgen Trittin (von 4,1 auf 4,2), sowie insbesondere Verteidigungsminister Rudolf Scharping. Er wird mit einer Note von 4,5 notiert (nach 4,3 im April) und bildet damit weiter klar das Schlusslicht.

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