Inflation und hoher Ölpreis
Die Euphorie der Top-Manager schwindet

Die Inflation im Euro-Raum ist so hoch wie nie zuvor, der Euro-Dollar-Kurs schwankt um knapp 1,60 und der Ölpreis liegt über 140 Dollar pro Barrel. Wie die europäische Wirtschaftselite die Aussichten für die kommenden Monate einschätzt.

Und so weicht das Stimmungshoch, das die Manager in Deutschland, Großbritannien, Italien, Frankreich, Österreich und der Schweiz im Durchschnitt bis Mitte 2007 aufgebaut hatten, einer teilweise heftigen Skepsis. Das zeigt der Handelsblatt Business-Monitor International, eine exklusive Umfrage im Auftrag dieser Zeitung und der Unternehmensberatung Droege & Comp., unter der Wirtschaftselite dieser Länder.

Die Führungskräfte beurteilen die Lage und die Perspektiven für die jeweiligen nationalen Standorte schlechter als zuletzt und haben zurückhaltendere Investitions- und Beschäftigungspläne. Zwar sagen noch immer mehr als 70 Prozent voraus, dass die Geschäfte ihres Unternehmens 2009 genauso gut wie in diesem Jahr oder noch besser laufen werden. Noch vor einem Jahr war der Anteil der Optimisten mit fast 90 Prozent aber bedeutend größer.

Auch wenn dieser Trend allgemein gilt, so ist er doch nicht in allen Regionen auf demselben kritischen Niveau. In den deutschsprachigen Ländern - der Schweiz, Österreich und Deutschland - überwiegen zu vier Fünfteln die freundlichen Standortbewertungen trotz leichter Rückgänge wie etwa hier zu Lande und trotz einer klaren Verschiebung der Urteile von uneingeschränkt "gut" hin zu "eher gut" in Österreich und auch der Schweiz. Weit pessimistischer sind die Manager in Großbritannien, Italien und Frankreich.

Die Zuversicht der europäischen Manager war gar noch nie auf einem so niedrigen Stand, seit die regelmäßige Erhebung des "Handelsblatt Business-Monitors International" Ende 2003 gestartet wurde. Diesen Tiefpunkt verursachen allerdings auch nur drei der sechs in die Befragungen einbezogenen Länder: Deutschland, Frankreich und Großbritannien. In diesen Ländern ist die Zahl der ausgesprochenen Pessimisten, die verschlechterte Standortbedingungen erwarten, um 14 bis 26 Prozentpunkte gegenüber dem Ende des Vorjahres gestiegen. In Italien, Österreich und der Schweiz veränderte sie sich dagegen kaum.

Die zunehmende Skepsis lässt sich auch an der Investitions- und Einstellungsbereitschaft für die kommenden zwölf Monate ablesen. Zwar plant immer noch ein knappes Drittel (32 Prozent) aller Manager aus den sechs europäischen Ländern, die Zahl ihrer Mitarbeiter in den kommenden zwölf Monaten zu erhöhen. Weitere 20 Prozent haben allerdings vor, die Zahl ihrer Beschäftigten in dieser Zeit zu senken. Dieser Saldo war noch vor einem Jahr deutlich größer ausgefallen. Damals hatten 44 Prozent der Manager vor, die Mitarbeiterzahl zu erhöhen und nur 13 Prozent hatten geplant, Personal abzubauen. Damit hat das "Beschäftigungsklima" - gemessen anhand des Indexes "Mitarbeiterzahl erhöhen" minus "verringern" - mit einem Wert von zwölf im Sechs-Länder-Durchschnitt einen Tiefpunkt seit Ende 2005 erreicht. Damals lag der Saldo bei 13.

Auch wenn der Trend ähnlich ist, so unterscheiden sich die Länder in puncto Personalplanung ebenso im Detail: In Österreich und der Schweiz hat sich die Einstellungsbereitschaft zwar auch verringert - noch immer wollen hier aber mehr als 40 Prozent der Manager die Zahl ihrer Beschäftigten erhöhen. Auch Deutschland zählt zu den Ländern, in denen die Manager mehr Mitarbeiter einstellen wollen als im europäischen Durchschnitt. Noch immer planen 40 Prozent der Spitzenmanager, Beschäftigte einzustellen. Mit 20 Prozent ist der Anteil derer, die Personal abbauen wollen, allerdings genauso groß wie im europäischen Durchschnitt.

Auch die Investitionsneigung der Unternehmen hat sich in den meisten der sechs europäischen Staaten verringert: Der Index ("Investitionen erhöhen" minus "verringern") liegt in allen fünf Nationen - außer der Schweiz - zwischen 22 und 29. Dort liegt er mit 44 deutlich höher. Dass der Saldo im Durchschnitt aller sechs Länder seit Juni 2007 deutlich absackte, sagt allerdings nicht aus, dass die Manager der europäischen Unternehmen ihre Investitionen zurückschrauben wollen. Der Zuwachs wird in den kommenden zwölf Monaten nur geringer ausfallen, so die Vorhersage.

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