
FRANKFURT. Dass die deutsche Wirtschaft den tiefsten Einbruch ihrer Nachkriegsgeschichte derart gut überwinden würde, hatte so gut wie niemand zu hoffen gewagt. Die Manager haben sich ordentlich verschätzt - und wurden ganz überwiegend positiv überrascht vom bisherigen Verlauf des Jahres eins nach dem Schreckensjahr.
Fast drei Viertel aller Führungskräfte in Deutschland geben an, die Konjunktur habe sich "besser" als zu Jahresbeginn von ihnen erwartet entwickelt, und 60 Prozent sagen, auch die Geschäfte ihres eigenen Unternehmens seien bislang besser gelaufen, als sie das noch vor sechs Monaten angenommen hätten. Das zeigt der Handelsblatt Business-Monitor, eine exklusive Repräsentativ-Umfrage im Auftrag dieser Zeitung und der Unternehmensberatung Droege & Comp. "Im Unternehmenssektor, vor allem in der Industrie, hat es erhebliche positive Überraschungen gegeben", bestätigt Morgan-Stanley-Ökonomin Elga Bartsch. Insbesondere die Produktionserwartungen seien von der tatsächlichen Produktion weit übertroffen worden. Die deutsche Wirtschaft steuere "volle Kraft voraus".
Offenbar vertrauen auch die Manager darauf, dass die bisherige Entwicklung kein Strohfeuer ist. Das lässt sich nicht nur an ihren hohen Erwartungen ablesen: Die meisten rechnen damit, dass sowohl die Gesamtwirtschaft als auch die Geschäfte ihres Unternehmens genauso gut oder besser als im ersten Halbjahr laufen. Auch die konkreten Investitions- und Beschäftigungspläne zeigen, dass die große Zuversicht nicht nur eine momentane Stimmung ist.
Die deutschen Topmanager wollen überwiegend ihre Investitionen und die Zahl ihrer Mitarbeiter auf dem bisherigen Niveau lassen. Anders als die meisten ihrer europäischen Kollegen haben obendrein mehr deutsche Manager vor, ihre Investitionen zu erhöhen (30 Prozent) als zu verringern (13 Prozent). Auch die Beschäftigungspläne lassen hoffen: Zwar wollen 19 Prozent ihre Mitarbeiterzahl reduzieren, mit 22 Prozent will aber ein größerer Teil weitere Beschäftigte einstellen.