Krisenmaßnahmen
Vier von zehn Firmen setzen auf Umstrukturierung

Auf die Rezession aus heiterem Himmel reagieren die meisten deutschen Manager mit schnell wirksamen Einsparungen. Das beweist der Handelsblatt Business-Monitor. Doch die Topmanager denken nicht nur kurzfristig, langfristig stellen sie alles auf den Prüfstand.
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DÜSSELDORF. Auf die unerwartete Rezession reagiert ein großer Teil der deutschen Unternehmen - nämlich 43 Prozent - mit Umstrukturierungen. Das zeigt der aktuelle Handelsblatt Business-Monitor, eine Befragung von 793 Top-Managern im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. "Hatten die Unternehmen zunächst noch die Illusion, mit einem blauen Auge aus der Krise zu kommen, hat sich nun bei vielen Panik breit gemacht", sagt Derrick Noe, Senior Partner von Droege und Experte für Restrukturierung. Großunternehmen sind dabei mit 55 Prozent aktiver als mittlere (48 Prozent) und kleine Betriebe (40 Prozent).

26 Prozent aller befragten Manager haben Restrukturierungen bereits in Angriff genommen, weitere vier Prozent tun dies bis Jahresende. 13 Prozent planen solche Maßnahmen für das kommende Jahr oder haben den Zeitplan noch nicht genau festgezurrt. Was Noe überrascht, ist die Tatsache, dass 57 Prozent der befragten Manager in den kommenden zwölf Monaten keine Restrukturierung anpeilen: "Diese haben entweder die Krise noch nicht richtig realisiert oder wollen das nicht zugeben."

Unternehmen, die Umstrukturierungen bereits auf ihrer Agenda haben, greifen in erster Linie zu Sofortmaßnahmen, die schnelle Einsparungen ermöglichen, um so Liquidität und Ergebnisse zu entlasten. Drei Viertel der restrukturierungswilligen Top-Manager planen, die Organisation zu verschlanken sowie Personal abzubauen. Dies bestätigt die Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit. Ihr Leiter Frank-Jürgen Weise rechnet damit, dass die Zahl der Arbeitslosen in den kommenden zwölf Monaten um 300 000 steigen wird.

Zudem setzen reformwillige Betriebe darauf, Sachkosten zu senken und Personalkosten zu flexibilisieren (je 70 Prozent). Im Fokus steht auch der Abbau von Verwaltung und Overhead. Einsparpotenzial im Einkauf wittern zudem fast 60 Prozent der Manager mit Restrukturierungsabsicht.

Noe: "Alles, was nicht absolut notwendig ist, stellen die Unternehmen in Frage - etwa beim Dienstwagen oder konzerninternen Reisen." Unternehmen wie Henkel oder SAP haben Geschäftsreisen ohne Kundenkontakte vorerst gestrichen. Auch die traditionellen Weihnachtsfeiern fallen bei etlichen Firmen dieses Jahr ganz aus oder werden bescheidener.

Aber auch die Investitionsbudgets sind auf dem Prüfstand. Die Betriebe müssen ihre Geschäftsmodelle hinterfragen: Welche sind überhaupt noch wettbewerbsfähig? Die Schließung von Standorten (22 Prozent) oder den Verkauf von Geschäftsteilen (elf Prozent) streben die reformwilligen Top-Manager nur vergleichsweise selten an. Solche harten Einschnitte stehen klar am Ende des Maßnahmenkatalogs. Restrukturierungsexperte Noe: "Für viele werden solche Schritte aber mit Anhalten der Krise unausweichlich." Er ist überzeugt: "Zahlreiche Betriebe werden die Krise nicht überleben."

Automobil, Elektro und Maschinenbau sind die Branchen, die am meisten restrukturieren, Versicherer und Unternehmen aus der Energie- und Immobilienbranche vergleichsweise am wenigsten. "Allerdings haben Automobilzulieferer nicht mehr viel Abspeckpotenzial, da sie seit 20 Jahren von den Autobauern auf schlanke Linie getrimmt wurden", gibt Noe zu bedenken. So bleibe für viele Zulieferer nur die Möglichkeit, durch Zusammenschlüsse ihre Fixkosten zu senken.

Der Droege-Berater warnt jedoch vor Überreaktionen und übertriebenem Sparen. "Das Potenzial für künftiges Wachstum darf nicht aufs Spiel gesetzt werden."

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