Nur ein Fünftel will in den kommenden drei Jahren Arbeitsplätze ins Ausland verlagern: Unternehmen bleiben ihren Heimatländern treu

Nur ein Fünftel will in den kommenden drei Jahren Arbeitsplätze ins Ausland verlagern
Unternehmen bleiben ihren Heimatländern treu

Die Furcht vor einer massenhaften Abwanderung heimischer Unternehmen ins Ausland ist offenbar übertrieben: Nur etwa jedes fünfte deutsche Unternehmen (19 Prozent) mit mehr als 500 Beschäftigten hat in den vergangenen drei Jahren Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. Ein nur leicht höherer Anteil von 22 Prozent plant, in den kommenden drei Jahren weitere Jobs zu verlagern.

pbs DÜSSELDORF. Das zeigt der aktuelle Handelsblatt Business-Monitor International, die regelmäßige Repräsentativ-Umfrage unter Top-Managern in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien in Auftrag von Handelsblatt und der Unternehmensberatung Droege & Comp.

Etwas häufiger als deutsche Unternehmen haben britische Firmen Jobs exportiert: Auf der Insel sind 22 Prozent diesen Schritt in den vergangenen drei Jahren gegangen. Geringer ist die Anziehungskraft des Auslands für französische und italienische Unternehmen (siehe Grafik). Auch den Export weiterer Arbeitsplätze streben in diesen Ländern nur rund zehn Prozent der Führungskräfte an.

Die meisten deutschen Firmen (elf Prozent) haben Arbeitsplätze in die beigetretenen EU-Länder exportiert. Dahinter folgen China (sieben Prozent) und Osteuropa (fünf Prozent). Dieses Muster wollen sie auch bei den geplanten Verlagerungen beibehalten. Ähnlich ist das Bild in Frankreich. Italienische und britische Unternehmen haben sich dagegen bisher vor allem auf die bisherigen EU-Länder konzentriert.

Zudem ist das Ausmaß der Arbeitsplatzverlagerung relativ gering. So haben deutsche Firmen meist nur einen kleinen Teil ihrer gesamten Arbeitsplätze verlagert. Zusammen 36 Prozent haben nur ein bis fünf Prozent ihrer heimischen Stellen aufgegeben; 29 Prozent fünf bis zehn Prozent. Nur 13 Prozent haben zwischen zehn und 20 Prozent ihrer Jobs exportiert. Auch in den kommenden drei Jahren dürfte der Trend zur Verlagerung von weniger als zehn Prozent der vorhandenen Jobs anhalten, zeigt die Umfrage. Die Tendenz ist in den anderen drei Ländern ähnlich.

Der ausschlaggebende Grund für eine Verlagerung von Arbeitsplätzen sind für die meisten Manager die niedrigeren Arbeitskosten in den „Billiglohnländern“. Dieser Grund wird von deutschen, französischen und britischen Managern am häufigsten genannt. Allerdings spielen die Kosten in Deutschland eine wichtigere Rolle: 83 Prozent der Führungskräfte nennen sie als ausschlaggebend – in Großbritannien, wo Löhne und Nebenkosten niedriger sind, teilen nur 43 Prozent diese Sicht.

Für italienische Führungskräfte ist die Erschließung neuer Märkte die größte Motivation für eine Verlagerung von Arbeitsplätzen. Sie steht für Manager in Frankreich und Großbritannien dagegen erst an zweiter Stelle – für deutsche Manager sogar nur an dritter.

Wichtiger ist für 65 Prozent der deutschen Chefs die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der im eigenen Land verbleibenden Arbeitskräfte. Eine niedrigere Steuer- und Abgabenquote ist in den vier Ländern insgesamt für immerhin noch 22 Prozent der Befragten ein wichtiges Argument.

Unternehmen, die keine Arbeitsplätze verlagern wollen, begründen dies damit, dass ihre Firma auf Grund der Märkte und Geschäftsabläufe nur im Heimatland agieren kann. Das betrifft speziell Dienstleister, beispielsweise im Finanzbereich, sowie den Handel oder Verkehrsbetriebe. Nur rund ein Fünftel schätzt die Bedingungen am heimischen Standort als so gut ein, dass eine Verlagerung von Arbeitsplätzen nicht notwendig ist. Die Kosten einer solchen Umstrukturierung scheut nur rund ein Zehntel der Befragten.

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