Pessimistisch für Gesamtwirtschaft
Aufschwung kommt – ohne neue Jobs

Die spätestens im Verlauf von 2004 erwartete Konjunkturerholung wird nach Einschätzung der Top-Manager deutscher Unternehmen nicht von einer deutlichen Verbesserung der Standortbedingungen begleitet werden. Ein wesentlicher Grund könnte die Befürchtung sein, dass die angestrebten Reformen der Sozialversicherung sie bei den Lohnzusatzkosten nur wenig entlasten werden. Dies ergab die monatliche Umfrage des Psephos-Instituts für den Handelsblatt Business Monitor.

DÜSSELDORF. Danach stagniert das Standortklima im September zum ersten Mal seit einem halben Jahr. Unverändert geht mit 53 % mehr als die Hälfte der Führungskräfte davon aus, dass die Standortbedingungen in den nächsten zwölf Monaten gleich schlecht bleiben werden oder sich gar noch verschlechtern. Außerdem hat der Anteil der Befragten abgenommen, die eine Verbesserung erwarten – von 42 % auf 38 %. Auch bei der Beurteilung der aktuellen Standortbedingungen überwiegt trotz leichter Besserungstendenz weiterhin Unzufriedenheit: 77 % der Unternehmensmanager bezeichnen sie als eher schlecht oder schlecht, bzw 23 % als gut oder eher gut. In der vorherigen Sommerumfrage von Juli/August hatten die Quoten bei 83 % zu 17 % gelegen.

Ungeachtet der skeptischen Beurteilung der Standortbedingungen nimmt aber offenbar mit Blick auf den bevorstehenden Aufschwung die Investitionsneigung zu – vor allem in mittelgroßen Unternehmen. Insgesamt wollen nur noch 23 % der Unternehmen ihre Investitionsbudgets kürzen; im Juli/August war dies noch bei 29 % der Fall. Unverändert 19 % der Unternehmen haben vor, die Investitionsausgaben zu erhöhen, 57 % nach 51 % wollen sie konstant halten.

Doch für den Arbeitsmarkt bringt die höhere Investitionsbereitschaft – noch – nichts. Im Gegenteil: Die Beschäftigungsperspektiven haben sich im September wieder verschlechtert. Zwei Fünftel der Unternehmen planen in den nächsten Monaten, die Belegschaft zu verkleinern, nur 13 % nach 14 % erwägen Neueinstellungen.

Mit der Stagnation des Standortklimas hat sich der Handelsblatt Business Monitor von der Stimmungsverbesserung, wie sie beispielsweise im jüngsten Anstieg des ZEW-Indexes für die Konjunkturerwartungen zum Ausdruck kommt, abgekoppelt. Für das Ifo-Geschäftsklima im September wird ebenfalls eine Verbesserung erwartet.

Dennoch wächst auch bei den für den Business Monitor befragten 816 Führungskräften die Überzeugung, dass der Aufschwung selbst in Deutschland bereits 2004 einsetzen wird und nicht erst 2005. So erwarten 29 % die Konjunkturbelebung hier zu Lande im ersten Halbjahr und 43 % in der zweiten Jahreshälfte 2004. Im Juni waren die Anteile mit 27 bzw. 36 % niedriger gewesen. Die Zahl der Führungskräfte, die nicht vor 2005 mit einem deutschen Aufschwung rechnen, hat sich von 30 auf 23 % verringert. Ähnlich wie Bankvolkswirte und Forschungsinstitute rechnen die Manager im übrigen unverändert damit, dass der Aufschwung der Weltwirtschaft früher einsetzen wird als in Deutschland. 39 % sehen ihn weltweit bereits im ersten Halbjahr 2004 kommen.

Wie im Juni gibt es außerdem einen erstaunlich hohen Anteil von einem Fünftel der Top-Manager, die ihr eigenes Unternehmen bereits jetzt gut im Rennen sehen. Weitere 11 % (Juni: 14 %) erwarten eine Geschäftsbelebung noch bis Ende 2003 und damit deutlich früher als in der Gesamtwirtschaft. Dies gilt insbesondere für kleine Unternehmen sowie die Branchen Dienstleistungen, speziell Handel, Verkehr, Nachrichtenübermittlung, aber auch für die Vorleistungsbereiche Bergbau, Energie, Mineralöl, Chemie und Kunststoff. Im Metallbereich einschließlich Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Elektrotechnik konzentrieren sich die Aufschwungerwartungen dagegen stärker auf das erste Halbjahr 2004.

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