Repräsentative Umfrage: Wirtschaft rügt schlechte Verzahnung mit den Universitäten: Manager fordern Kurswechsel in der Innovationspolitik

Repräsentative Umfrage: Wirtschaft rügt schlechte Verzahnung mit den Universitäten
Manager fordern Kurswechsel in der Innovationspolitik

Die von der Bundesregierung angestoßene Debatte um Elite-Universitäten geht nach Ansicht der deutschen Top-Manager am Kern des deutschen Innovationsproblems vorbei. Zwar brauche der Standort Deutschland leistungsfähigere Hochschulen mit Elite-Qualitäten. Zentrale Aufgabe der Politik ist es nach ihrer Ansicht aber vielmehr, eine engere Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft zu ermöglichen.

dc/ost BERLIN/DÜSSELDORF. Das ergibt sich aus dem Handelsblatt Business-Monitor, einer Repräsentativumfrage, die das Psephos-Institut im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. unter 850 Entscheidern der Wirtschaft durchgeführt hat.

Die Bundesregierung erkennt in diesem Urteil jedoch keinen Widerspruch zu dem von ihr eingeschlagenen Innovationskurs. „Es bestärkt mich, dass der überwiegende Teil der Manager bei der Umfrage die wichtigste Rolle des Staates in der Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft sieht“, sagte Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) dem Handelsblatt. Genau dies sei das Ziel der Innovationsoffensive. „Nur Forschungsergebnisse, die auch schnell verwirklicht werden, können die Märkte der Zukunft erobern und Wachstum sichern.“

Nur 28 % der Manager erhoffen sich von Elite-Universitäten entscheidende Impulse. Dagegen betonen jeweils rund zwei Drittel der Manager, der Staat müsse die Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft ins Zentrum seiner Innovationspolitik rücken und außerdem für eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Hochschulen in der Breite sorgen.

Umstritten bleibt, wie sich die Verantwortung für den bislang mangelhaften Forschungstransfer verteilt. Frank Zurlino von Droege & Comp. sieht ein Problem bei den Hochschulen. „Diese müssen ihre Forschungsthemen stärker auf die Wirtschaft zuschneiden und den Wissenstransfer professioneller managen.“ Für den bildungspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Jörg Tauss, ist dies nur eine Seite der Medaille: „Es gibt auch eine Holschuld der Wirtschaft“, betont er. Dieser kämen gerade deutsche Unternehmen noch nicht ausreichend nach.

Die Bereitschaft, mehr Geld in Forschung und Entwicklung zu investieren, nimmt in den Unternehmen wieder zu, zeigt der Handelsblatt Business-Monitor. 38 % der Top-Manager stocken in diesem Jahr ihr Budget für Forschung und Entwicklung auf. 40 % halten es konstant. Nur eine Minderheit von 6 % der Firmen will dagegen die Gelder für Innovationen kürzen. „Nach den Restrukturierungswellen herrscht in der Wirtschaft geradezu eine Sehnsucht nach Wachstum – die Unternehmen wollen daher nicht mehr an der Forschung sparen und erlauben sich auch wieder einen längeren Atem“, sagt Zurlino. Zwei Drittel der Befragten (67 %) sehen bei der Innovationskultur in den Unternehmen selbst Nachholbedarf.

Das Bundeskabinett stellte gestern die Weichen für seine neue Innovationspolitik. Es beschloss einen „Hochtechnologie-Masterplan“, der kleinen und mittleren Unternehmen die Umsetzung neuer Ideen und Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte erleichtern soll. Zudem soll die Mikrosystemtechnik als Schlüsseltechnologie in den kommenden sechs Jahren mit 260 Mill. Euro gefördert werden. Der Masterplan soll nach den Worten von Bulmahn und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement in den nächsten fünf Jahren mit 500 Mill. Euro jungen Technologie-Unternehmen Finanzierungsmöglichkeiten eröffnen. Zusammen mit privaten Mitteln sollen bis zu 1,7 Mrd. Euro mobilisiert werden. Die Manager halten sich mit dem Ruf nach mehr staatlicher Förderung allerdings zurück. Nur 28 % räumen diesem Punkt Priorität ein.

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