Spitzenmanager
Krise umklammert Deutschland

Die Finanzmarktkrise dämpft die Stimmung der hiesigen Wirtschaftselite erheblich: Die Mehrzahl der Unternehmen blickt skeptisch auf die kommenden zwölf Monate - und will weniger investieren, zeigt der Business-Monitor des Handelsblatts.
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FRANKFURT. Die Finanzmarktkrise dämpft die Stimmung der hiesigen Wirtschaftselite erheblich - und wirkt sich auf ihre Vorhaben aus. Nicht nur die Beschäftigungspläne für die kommenden zwölf Monaten haben sich zuletzt massiv verschlechtert - auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen ist erkennbar zurückgegangen.

Das geht aus dem Handelsblatt Business-Monitors hervor. Für die exklusive Umfrage hat das Marktforschungsinstitut Psephos im Auftrag des Handelsblattes und der Unternehmensberatung Droege & Comp. knapp 800 Top-Manager befragt.

Die Umfrage unterfüttert die schlechten Konjunkturnachrichten, die zuletzt nahezu täglich bekannt wurden. In der vergangenen Woche hatte das Statistische Bundesamt gemeldet, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland nach dem Rückgang im zweiten Vierteljahr auch im dritten Quartal geschrumpft war. Für das vierte Quartal sagen Indikatoren wie der Handelsblatt-Barclays-Indikator das wiederum vorher. Damit scheint eine Rezession unausweichlich zu sein. Ausschlaggebend dafür ist vor allem der Einbruch der Auftragseingänge der Industrie - die Order waren in den vergangenen zehn Monaten neun Mal gesunken.

Den Optimismus, dass sich das Konjunkturbild zeitnah drehen dürfte, haben die Unternehmen offenbar verloren. Während 45 Prozent der Unternehmen damit rechnen, dass sich die Standortbedingungen hier zu Lande in den kommenden zwölf Monaten verschlechtern, erwarten gerade einmal fünf Prozent, dass sie sich verbessern werden. Etwa die Hälfte der Befragten meint, dass die Bedingungen "gleich gut" (32 Prozent) oder "gleich schlecht" (17 Prozent) bleiben werden. Besonders pessimistisch sind die Manager der Großunternehmen mit mehr als 5 000 Beschäftigten: Hier blicken 70 Prozent skeptisch in die Zukunft.

Derzeit ist die Lage aus Sicht der Mehrzahl der Befragten zwar noch passabel: Drei Prozent stufen die Lage als "schlecht" ein. Die Mehrzahl nennt sie "gut" (zwölf Prozent) oder "eher gut" (49 Prozent). Damit dürfte es aber offenbar bald vorbei sein: Der Index, der die Investitionspläne misst, drehte im November deutlich ins Minus: Nur noch 17 Prozent der Befragten wollen ihre Investitionen in den kommenden zwölf Monaten erhöhen, dagegen haben 26 Prozent vor, in diesem Zeitraum weniger zu investieren. Nach wie vor gibt zwar mit einem Anteil von 55 Prozent eine absolute Mehrheit der Entscheider an, konstant investieren zu wollen. Doch der Saldo - Investitionen "erhöhen" minus "verringern" - erreichte das ungünstigste Niveau seit fünf Jahren.

Insbesondere Unternehmen, die in der Metallerzeugung, dem Maschinenbau und der Energie- oder Chemiesparte tätig sind, wollen ihre Investitionen drosseln (jeweils 34 Prozent). Auch Großunternehmen stechen - branchenübergreifend - hervor: Während bei kleinen Unternehmen 23 Prozent und bei mittelständischen Unternehmen 30 Prozent der Befragten weniger investieren wollen, haben 40 Prozent der Großkonzerne dies vor.

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