Stimmung in drei anderen EU-Ländern viel besser
Deutschland verliert im europäischen Standortvergleich

Die Reformbemühungen der rot-grünen Bundesregierung haben in den vergangenen sechs Monaten die Wirtschaftsstimmung in Deutschland nicht stimuliert – im Gegenteil, das Standortklima hat sich sogar verschlechtert.

HB DÜSSELDORF. Und im direkten Vergleich mit den drei anderen großen Volkswirtschaften der Europäischen Union – Frankreich, Italien und vor allem Großbritannien – ist die Kluft in der Standortbewertung sogar größer geworden. In Großbritannien nimmt die Stimmung sogar schon euphorische Züge an. Dies ist das Ergebnis des Handelsblatt Business-Monitors International im Juli.

Nach der zweiten Befragung von rund tausend Führungskräften in diesen vier Ländern im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. driften auch Investitions- und Beschäftigungspläne auseinander. Denn die Unternehmen in Frankreich, Großbritannien und Italien sind viel eher bereit als die deutschen, ihre Investitionsausgaben zu erhöhen. Und sie wollen im Saldo vermehrt Arbeitsplätze schaffen, während sich der Stellenabbau in Deutschland – wenn auch verlangsamt – in allen Wirtschaftsbereichen fortsetzen wird. Der Handelsblatt Business-Monitor International bestätigt damit den aktuellen Beschäftigungstrend in den Einkaufsmanagernumfragen für Industrie und Dienstleistungssektor.

Insbesondere der SPD-interne Streit über den Reformkurs und die Bremsversuche der Gewerkschaften, aber auch das Ringen der Unionsparteien um einmütige Konzepte, dürften dazu beigetragen haben, dass die deutschen Top-Manager weitaus weniger als noch vor einem halben Jahr an eine Verbesserung der Standortbedingungen in den nächsten zwölf Monaten glauben. Die leichte Konjunkturbelebung half nicht: Im Gegenteil, der Anteil der Führungskräfte, die eine Besserung erwarten, hat sich auf 22 % halbiert. Am optimistischsten ist noch das produzierende Gewerbe. Aus der Industrie, die diesen Bereich dominiert, kommen schließlich bislang die stärksten Wachstumssignale. Der Saldo der positiven und negativen Antworten aus den vier Antwortkategorien für die erwarteten Standortbedingungen sank in Deutschland deutlich von plus acht auf minus 28 Prozentpunkte. Die Stimmung ist also ins Negative umgeschlagen.

Im Kontrast dazu steht Großbritannien: Dort konnte sich der Saldo mehr als verdoppeln – von 27 auf 59 Prozentpunkte. In Italien stieg er von 31 auf 43 Prozentpunkte. Die französischen Manager waren die einzigen, die häufiger auch bessere Bedingungen erwarten. Weil aber auch die Zahl der Skeptiker zunahm, sank der Saldo von 49 auf 39 Prozentpunkte.

Ein Grund für die besseren Ergebnisse in Großbritannien und Italien ist, dass die Zufriedenheit der Top- Manager in diesen Ländern mit der aktuellen Standortsituation im vergangenen halben Jahr deutlich zugenommen hat, auch wenn der Grad mit der Größe der Unternehmen abnimmt. Großbritannien war auch das einzige der vier Länder, in denen für die gegenwärtigen Bedingungen die Note „gut“ deutlich häufiger vergeben wurde als bei der ersten Umfrage für den Business-Monitor International. Gleichzeitig ist der Anteil für das Urteil „schlecht“ bei den Briten fast auf null gesunken – selbst im nicht gerade mit Wachstum verwöhnten produzierenden Gewerbe.

In Frankreich und Deutschland hat sich die Beurteilung der aktuellen Bedingungen dagegen kaum verändert. Während aber in Frankreich die zufriedeneren Stimmen in der Mehrheit bleiben, dominiert in Deutschland das Lager der Kritiker. Insbesondere im Vergleich mit Großbritannien und Italien hat sich die aktuelle Standortbeurteilung in Deutschland damit verschlechtert.

Das gilt gegenüber Großbritannien und Frankreich auch für die Investitionsbereitschaft. Deutschland ist weit abgeschlagen, obwohl sich der Saldo von Erhöhungs- und Kürzungsplänen leicht von minus drei auf plus drei Prozentpunkte verbesserte. Die Vergleichsrechnungen für Großbritannien (45 nach 32), aber auch Frankreich (31 nach 22 Prozentpunkte) spielen da in einer ganz anderen Liga. Allein in Italien stimuliert das bessere Standortklima die Investitionsneigung nicht – sie hat sogar abgenommen. Das Investitionsklima ist mit 23 Saldopunkten aber weiterhin wesentlich freundlicher als in Deutschland.

Bei den Personalplänen ist das Bild für Deutschland sogar noch negativer. Der Saldo der Antwortenkategorien „erhöhen“ und „verringern“ veränderte sich mit minus 24 Prozentpunkten kaum und blieb tiefrot. In den anderen drei Ländern stieg das Beschäftigungsklima dagegen deutlich – auf plus 14 bis 17 Punkte. Dort kommt der Aufschwung also auf dem Arbeitsmarkt an, in Deutschland bis weit ins nächste Jahr hinein aber nicht.

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