Stimmung
Zuversicht kommt schleichend zurück

Noch hält der Abwärtstrend der deutschen Wirtschaft an – das zeigen die Ergebnisse des Handelsblatt Business-Monitors. Die gute Nachricht: Die Zahl der Optimisten steigt leicht. Die schlechte: Tiefer können die Konjunkturindikatoren kaum noch sinken.

FRANKFURT. Die gute Nachricht zuerst: Die Talsohle ist in sichtbare Nähe gerückt. In bislang ungekanntem Tempo waren sämtliche relevanten Größen, die hierzulande Orientierung hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung bieten, in den vergangenen Monaten bergab gestürzt. Dieser Sturzflug ist nun – zumindest für einige der wichtigen Stimmungsindikatoren – abgebremst. Die schlechte Nachricht relativiert dies allerdings: Das Niveau, auf dem die Konjunkturindikatoren inzwischen gelandet sind, ist tief wie selten.

Dieser Trend lässt sich beispielsweise an den Investitionsplänen der hiesigen Wirtschaft ablesen. Der Anteil der Unternehmen, die in den kommenden zwölf Monaten ihre Investitionen erhöhen wollen, ist zuletzt zwar weiter von 17 auf 15 Prozent gesunken. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr war er mehr als doppelt so hoch, im Frühjahr 2007 drei Mal so groß. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Investitionen verringern wollen, sank zuletzt aber im gleichen Maße – um zwei Prozentpunkte – auf 30 Prozent. Und mit 55 Prozent wollen inzwischen wieder mehr Unternehmen als noch bei der letzten Umfrage im Dezember ihre Investitionen konstant halten.

Das Investitionsklima zählt zu den wesentlichen Ergebnissen des Handelsblatt Business-Monitors, einer exklusiven Umfrage unter knapp 800 Spitzenmanagern der deutschen Wirtschaft, die das Handelsblatt und die Unternehmensberatung Droege & Comp. bei dem Marktforschungsunternehmen Psephos in Auftrag gegeben hat. Auch wenn der Abwärtstrend an Tempo verliert, bleibt die Situation in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone insgesamt äußerst angespannt. Das zeigt die Umfrage.

Auch Konjunkturexperten bleiben trotz erster positiver Signale vorsichtig: „Untere Wendepunkte setzen immer unvermittelt ein – was wir derzeit beobachten, könnte einer sein“, sagt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer.

Der freie Fall der Stimmungsindikatoren stoppte zuletzt: Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der die Stimmung der Unternehmen misst, hatte sich minimal von 82,7 auf 83 Zähler verbessert. Und das ZEW-Barometer, das die Konjunkturerwartungen von Finanzmarktexperten und Analysten widerspiegelt, war sogar drei Mal in Folge gestiegen. Zudem waren wichtige Indikatoren in der Euro-Zone und den USA leicht nach oben geklettert. „Wenn wir auch im Februar kräftige Anstiege der Stimmungsindikatoren sehen, sollte die Wirtschaft zur Jahresmitte zumindest aufhören zu schrumpfen und die Rezession enden“, sagt Krämer. Denn wenn die Lage von Woche zu Woche schlechter werde, steige die Wahrscheinlichkeit, dass es in ein paar Monaten aufwärts gehe.

Dieser Ansicht sind auch die für den Handelsblatt Business-Monitor befragten Führungskräfte, zeigen ihre Beurteilung der Standortbedingungen sowie ihre Erwartungen. Der Abwärtstrend bei der Bewertung der aktuellen Bedingungen hält zwar zu Beginn des Jahres an. Inzwischen sind nur noch 53 Prozent der Befragten der Meinung, die Lage sei „gut“ (zehn Prozent) oder „eher gut“ (43 Prozent). Das meinten im Dezember noch 60 Prozent und vor einem Jahr sogar 80 Prozent. Dafür ist aber der Anteil derjenigen, die eine Verbesserung erwarten, deutlich von sieben Prozent im Dezember auf 14 Prozent gestiegen. Der Anteil derjenigen, die mit noch schlechteren Bedingungen in den kommenden zwölf Monaten rechnen, ist mit 29 Prozent zwar deutlich größer – aber im Vergleich zum Dezember (39 Prozent) erheblich geschrumpft.

Seite 1:

Zuversicht kommt schleichend zurück

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%