Top-Manager beurteilen Entwicklung der Standortbedingungen wieder skeptischer: Wirtschaft überwindet ihre Investitionsmüdigkeit

Top-Manager beurteilen Entwicklung der Standortbedingungen wieder skeptischer
Wirtschaft überwindet ihre Investitionsmüdigkeit

Die Stimmung unter den Top-Managern der deutschen Wirtschaft war zu Beginn dieses Jahres gemischt. Das zeigt der Handelsblatt Business-Monitor im Januar/Februar auf Basis der monatlichen repräsentativen Psephos-Umfrage im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp.

DÜSSELDORF. Während die aktuellen Standortbedingungen deutlich besser bewertet wurden als 2003, hat die Skepsis hinsichtlich ihrer künftigen Entwicklung wieder zugenommen. Offenbar gibt es Befürchtungen, dass der Reformprozess in Deutschland ins Stocken geraten könnte. Zudem könnte es sein, dass die im Vermittlungsausschuss vereinbarten Beschlüsse zur Steuer-, Renten- und Gesundheitspolitik hinter den Erwartungen der Wirtschaft zurückgeblieben sind. Die Dezember-Befragung fand vor dieser Einigung statt.

Dennoch scheinen der Umfrage zufolge die Unternehmen in Deutschland ihre Investitionsmüdigkeit allmählich zu überwinden. Die Investitionsneigung steigt offenbar mit der zunehmenden Wahrscheinlichkeit, dass die Konjunkturerholung sich 2004 verstärken wird.

Der konjunkturelle Aufschwung lässt sich am ehesten bei der Beurteilung der aktuellen Standortbedingungen ablesen – ähnlich wie an der günstigeren Lage-Einschätzung im Ifo-Geschäftsklima im Januar. Die positive Bewertung der augenblicklichen Bedingungen im Business-Monitor ist so hoch wie noch nie seit Beginn dieser Zeitreihe im April 2003. Als „gut“ werden sie derzeit von 5 % der Führungskräfte bezeichnet und als „eher gut“ von 25 %. Gegenüber Dezember sind dies zusammen 7 Prozentpunkte mehr. Allerdings: Für 57 % (Dezember: 61 %) der Befragten sind die Bedingungen immer noch „eher schlecht“ und für 13 % (16 %) weiterhin „schlecht“. Vor allem im Baugewerbe, das noch keine Erholung spürt, sowie in der Metall- und Elektroindustrie, die sich derzeit im Tarifkonflikt befindet, ist die Stimmung deutlich gedrückter als im Durchschnitt.

Auch die Veränderung der Standortbedingungen in den nächsten zwölf Monaten wird von diesen Branchen skeptischer beurteilt als von der übrigen Wirtschaft. Insgesamt hat der Anteil der Top- Manager, die eine Verbesserung erwarten, um 5 Prozentpunkte auf 36 % abgenommen. Zwar erwarten auch nur noch 7 nach 11 % eine Verschlechterung, doch „gleich schlecht“ sagen nun 45 %, das sind 9 Punkte mehr als im Dezember. Unverändert 11 % erwarten, dass die Standortbedingungen „gleich gut“ bleiben. Der Saldo zwischen den positiven und negativen Antworten ist damit wieder ins Minus gerutscht – im Dezember war er erstmals seit dem Sommer 2002 positiv gewesen.

Die Neigung für Investitionen wieder mehr auszugeben, ist in Großunternehmen, bei Dienstleistern und in einigen Branchen des verarbeitenden Gewerbes ausgeprägter als im Durchschnitt. Insgesamt gaben 24 % der Top-Manager an, ihr Unternehmen wolle in den nächsten Monaten mehr investieren. Abgenommen hat vor allem der Anteil der Unternehmen, die ihre Budgets kürzen wollen (20 %). Erstmals seit Mai 2001 ist damit der Saldo zwischen beiden Antwortkategorien – das Investitionsklima im Business-Monitor – wieder positiv. 55 % der Unternehmen wollen ihre Investitionen konstant halten.

Auch das Beschäftigungsklima ist auf den höchsten Stand seit Mai 2001 gestiegen. Im Saldo planen aber immer noch mehr Unternehmen ihre Belegschaft zu verkleinern (33 %) als zu vergrößern (18 %). Der Stellenabbau dürfte sich aber verlangsamen. Denn der Anteil der Unternehmen, die Entlassungen erwägen, nahm gegenüber Dezember deutlich um 7 Prozentpunkte ab. Gleichzeitig sank aber auch die Bereitschaft zu Neueinstellungen um 2 Punkte: Die Wirtschaft bleibt bei der Einschätzung des Aufschwungs also vorsichtig und kann offenbar eine höhere Nachfrage wegen der Unterauslastung der Produktionsanlagen mit der vorhandenen Belegschaft erfüllen. Immerhin: 49 % der Unternehmen haben vor, die Mitarbeiterzahl nicht zu verändern – im Dezember waren es nur 39 %.

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