Umfrage
Business-Monitor: Alles schaut auf den Finanzchef

Von der Finanzkrise profitiert insbesondere der Unternhemensbereich Finanzen und Controlling. In Zeiten wo das Geld knapp ist kommt es mehr denn je auf die Expertise der kühlen Rechner an. Der Chef dagegen ist nur in jeder dritten Firma noch gewichtiger als sonst. Das ist ein Ergebnis des aktuellen Business-Monitors des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp.

DÜSSELDORF. Marianne Heiß ist seit der Krise eine besonders gefragte Frau. Als Finanzchefin der Werbeagentur BBDO beobachtet sie eine höhere Wertschätzung und Anerkennung für ihr Metier: „Die Meinung des Finanzchefs hat an Bedeutung zugenommen, seine Rolle hat sich deutlich ausgeweitet“, erzählt Heiß. Der Grund: Als Bindeglied zwischen den Geschäftseinheiten könne dieser Transparenz und Vertrauen schaffen. „Deshalb wird der Finanzchef in Entscheidungen auch immer mit einbezogen“, sagt Heiß.

In 70 Prozent der deutschen Unternehmen hat das Ressort Finanzen/Controlling krisenbedingt an Einfluss gewonnen. Der Chef dagegen ist nur in jeder dritten Firma noch gewichtiger als sonst. Das ist ein Ergebnis des aktuellen Business-Monitors des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. 794 Topentscheider deutscher Firmen gaben Auskunft darüber, wie die Rezession die interne Entscheidungsfindung verändert hat.

Der Finanzchef spielt in der Krise eine ganz entscheidende Rolle, bestätigt auch Martin Jäger, geschäftsführender Partner von Droege & Comp. „Bei ihm laufen alle Fäden zusammen, denn er hat die Informationshoheit über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage und die derzeit so überlebenswichtige Liquidität.“

Auch der Vertrieb ist in fast jedem dritten Betrieb einflussreicher geworden. Nicht so sehr, um einbrechende Aufträge zu kompensieren, sondern vor allem auch, um realistische Umsatzgrößen für die Business-Planung zu generieren. Jäger weiß: „Nichts ist schlimmer für Unternehmen, als mit einem beweglichen Ziel planen zu müssen.“

Die akute Krise erzeugt Handlungsdruck: Wichtige Managemententscheidungen fallen schneller als sonst. Das bestätigen 51 Prozent der befragten Führungskräfte. Je größer das Unternehmen, umso häufiger ist dies der Fall. Auf den ersten Blick mag verwundern, dass 15 Prozent der Firmen länger als früher für wichtige Entscheidungen benötigen. Doch dabei handelt es sich offenbar um grundlegend neue Weichenstellungen.

Fakt ist: In schwierigen Zeiten verlaufen Entscheidungen in Firmen autokratischer von oben herab. „Dazu gibt es in der Regel kaum Alternativen“, meint Restrukturierungsexperte Jäger. Dem stimmt Wirtschafts- und Organisationspsychologe Felix Brodbeck, Professor an der Universität München, zu: „In Extremsituationen suchen Menschen nach einem charismatischen Anführer, der entschlossen handelt. Dieser Reflex stammt noch aus Zeiten, als wir als Großwildjäger in Kleingruppen unterwegs waren.“ Der Chef müsse schnell eine klare Marschrichtung vorgeben, selbst wenn er dabei Fehler mache. Allerdings solle er den Mut haben, Fehlentscheidungen nachzujustieren, betont Brodbeck, zugleich Redakteur der „Zeitschrift für Organisationsentwicklung“ (ZOE).

Nicht jede Führungskraft ist zum Krisenmanager geboren. Denn dieser sollte nicht nur schnell handeln, sondern auch die finanzwirtschaftlichen Zusammenhänge erkennen können. „Längst nicht alle Leitungspositionen sind da optimal besetzt“, beobachtet Jäger. Das bestätigt die Umfrage: Nur jedes dritte Unternehmen gibt an, durchweg geeignete Führungskräfte an Bord zu haben, um aus der Krise zu steuern. Jedes zweite hegt Zweifel, ob nicht so manchem Manager im eigenen Hause die nötigen Fähigkeiten dazu fehlen.

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