Umfrage
Vertriebskräfte verzweifelt gesucht

Zwei von drei deutschen Unternehmen haben Schwierigkeiten, genug qualifiziertes Personal zu finden, jede fünfte Firma spricht sogar von „großen Problemen“. Besonders gefragt sind dabei Vertriebsexperten. Dies und mehr zeigt der aktuelle Handelsblatt Business-Monitor.

DÜSSELDORF. Der Mangel an qualifiziertem Personal belastet die deutschen Unternehmen weiterhin stark. Zwei Drittel von ihnen haben derzeit Probleme, ihren Bedarf an Führungskräften zu decken, jede fünfte Firma spricht sogar von „großen Problemen“. Das zeigt der aktuelle Handelsblatt Business-Monitor, eine Befragung von 771 Top-Managern im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp.

Der Engpass belastet die Unternehmen nicht wie oft angenommen am stärksten in der Forschung & Entwicklung, sondern im Vertrieb. 54 Prozent der Top-Manager gaben an, sie hätten im Außendienst die größten Probleme, geeignetes Führungspersonal zu finden. 45 Prozent nannten Forschung & Entwicklung (Mehrfachnennungen waren möglich). Etwas entspannter ist die Situation in der Verwaltung und im Finanzbereich der Unternehmen, ebenso im allgemeinen Management und in der IT, ergab die Umfrage (siehe unten stehende Grafik).

Insgesamt zeigt sich, dass der Führungskräftmangel die kleinen und mittleren Unternehmen etwas stärker trifft als die Großunternehmen ab 500 Mitarbeitern. Besonders besorgte Stimmen kommen aus den Bereichen, die traditionell einen Großteil des deutschen Exports ausmachen: aus den Industrien Metallerzeugung und -verarbeitung, Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektro sowie Chemie, Kunststoffe, Bergbau und Mineralöl.

„Es zeigt sich, das der Führungskräftemangel zwar kein Flächenbrand, aber ein strukturelles Problem ist. Es fehlt vor allem an Fach- und Führungspersonal mit naturwissenschaftlich-technischem Background“, kommentiert Sven Mandewirth, Partner bei Droege & Comp, die Ergebnisse. Dies bestätigt auch eine aktuelle Untersuchung der Bundesagentur für Arbeit, nach der allein in der Metallindustrie rund ein Drittel der Firmen über Probleme klagt, geeignete Mitarbeiter zu finden. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) erwartet, dass sich der Fachkräftemangel in den kommenden Jahren noch verstärken wird. Bis zum Jahr 2010 würden jährlich etwa 37 000 Ingenieure aus dem Berufsleben ausscheiden, nach 2015 würde die Zahl sogar auf 43 000 steigen. Im Gegenzug würden aber nur rund 40 000 Absolventen jährlich ihr Ingenieurstudium abschließen. „Diese decken somit gerade einmal den Ersatzbedarf der Unternehmen“, sagt IW-Forscher Oliver Koppel. Deutsche Studenten meiden den Weg zum Dipl.-Ing.: Zwischen 1998 und 2005 sank die Absolventenzahl um etwa zwölf Prozent auf 38 000. Schweden hingegen verzeichnete ein Plus von mehr als 80 Prozent.

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