Business-Monitor
Viele Top-Manager fürchten Deflation

In der deutschen Wirtschaft geht die Angst um – die Angst vor der Deflation. Fast die Hälfte der Top-Manager des Landes (42 %) hält die Gefahr eines allgemeinen Preisverfalls in Deutschland derzeit für „sehr hoch“ oder „eher hoch“. Dagegen geben sich 57 % gelassen und sehen nur ein geringes oder sehr geringes Risiko. Dies ist das Ergebnis der Juni-Befragung des Handelsblatt Business-Monitors, einer Repräsentativ-Umfrage unter rund 830 Führungskräften, die das Meinungsforschungsinstitut Psephos regelmäßig im Auftrag des Handelsblatts befragt.

Handelsblatt Business-Monitor: Fast jede zweite deutsche Führungskraft hält die Gefahr eines Preisverfalls für hoch

DÜSSELDORF. Besonders groß ist die Deflationsangst bei Managern aus kleinen Unternehmen: Hier sind 47 % der Befragten besorgt, in mittleren und großen Firmen sind es nur 31 % bzw. 35 %.

Der Internationale Währungsfonds hat Anfang Mai eine heftige Debatte um mögliche Deflationsgefahren in Deutschland angezettelt: In einer Studie hatte der Fonds vor größeren Risiken einer deflationären Abwärtsspirale in Deutschland gewarnt – wegen der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung, der wachsenden Unterauslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten, der hohen Arbeitslosigkeit und den Problemen im Bankensektor. Die Bundesbank hatte vor wenigen Tagen mittelfristig Deflationsrisiken nicht ausgeschlossen – falls die chronische Wachstumsschwäche anhalte. Kurzfristig gab sie aber Entwarnung: „Die deutsche Volkswirtschaft weist derzeit keine akuten Anzeichen einer drohenden Deflation auf.“ Auch Patrick Muhl, Ökonom bei Siemens Financial Services, gibt Entwarnung: „Ein Szenario wie in Japan, bei dem Deutschland über Jahre in einen hartnäckigen deflationären Abwärtssog gerät, ist sehr sehr unwahrscheinlich.“ Schlimmstenfalls wäre eine „milde Deflation“ denkbar – in der über eine kurze Zeit die Verbraucherpreise im Jahresvergleich sinken. Dies führe aber nicht zu einem gesamtwirtschaftlichen Teufelskreis wie in Japan. „Die Zentralbanken haben aus den Fehlern der Bank of Japan gelernt“, ist Muhl sicher – und würden bei akuten Deflationsgefahren die Geldpolitik präventiv lockern.

Die Ergebnisse des Handelsblatt Business-Monitors zeigen allerdings: Der Druck auf die Preise ist in Deutschland schon heute enorm. Zwei Drittel der Top-Manager berichten, die derzeitige Nachfrage- Schwäche zwinge sie stark zu Rabatten, die über das bislang übliche Maß hinaus gehen – die Hälfte davon spürt diesen Druck auf die Preise sogar „sehr stark“. Nur 14 % sind bislang gar nicht davon betroffen. Auffällig ist, das bestimmte Branchen besonders massiv leiden: Im krisengeschüttelten Baugewerbe berichten 51 % von sehr starkem Druck auf die Preise, in der Metall- und Elektroindustrie sowie dem Maschinenbau sind es immerhin 41 %.

Ein Teil der Manager bereitet sich auf eine Deflation vor – obwohl sie sie nicht für wahrscheinlich halten: Der Anteil der Führungskräfte, die ihr Unternehmen auf die Folgen einer möglichen Deflation vorbereiten, liegt bei 55 % – und damit 13 Prozentpunkte höher als die Quote der Manager, die das Deflationsrisiko als hoch einschätzen. Besonders groß ist das Risiko-Bewusstsein in großen Firmen: Hier wappnen sich fast zwei Drittel der Befragten (65 %) für einen allgemeinen Preisverfall.

Allerdings sind die konkreten Vorbereitungen bei der Masse der Firmen noch nicht besonders weit gediehen: Nur rund jedes sechste Unternehmen (16 %) entwickelt derzeit einen Notfallplan mit konkreten Maßnahmen. Jedes vierte hat präventiv den Abbau der Unternehmensverschuldung intensiviert – denn in einer Deflation steigt die reale Last von Verbindlichkeiten. Weitere 28 % analysieren, welche Folgen ein allgemeiner Preisverfall für sie hätte.

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