Zwiespältiges Urteil über die Rürup-Kommission
Manager erwarten stabile Lohnnebenkosten

Die Aussicht auf Reformen der Sozialversicherung und eine Erholung der Konjunktur scheint zumindest den Pessimismus zu dämpfen: Nach drei Jahren stetig steigender Sozialversicherungsbeiträge hegen Deutschlands Top-Manager vorsichtige Hoffnungen, dass der kostspielige Trend nun zumindest gestoppt werden kann.

DÜSSELDORF. Mehr als vier Fünftel der Führungskräfte rechnen nach der September-Befragung des Psephos- Instituts für den Handelsblatt Business-Monitor mittlerweile damit, dass es im kommenden Jahr keinen weiteren Anstieg der Lohnnebenkosten geben wird. Dabei richten sich etwas weniger als die Hälfte der 816 Befragten (44 %) darauf ein, dass die Lohnnebenkosten wenigstens leicht sinken werden. Hoffnung auf eine deutliche Entlastung gibt es in den Führungsetagen freilich nicht.

Kein Wunder: Entgegen allen politischen Absichtserklärungen hat sich die Summe der Beitragssätze zur Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung seit 1999 um rund 1,5 Prozentpunkte auf über 42 % des Bruttolohns erhöht. Ein Aufschwung könnte die Finanzmisere der Sozialkassen zwar aller Voraussicht nach vorübergehend etwas mildern. Doch eine nachhaltige Senkung der Lohnnebenkosten wird wegen der Alterung der Gesellschaft nur mit weitreichenden Änderungen am Sozialsystem möglich sein – und noch sind die geplanten Reformen bei Krankenversicherung und Rente nicht beschlossen.

Einige Hoffnung verbinden die Führungskräfte dabei mit den Empfehlungen der Rürup-Kommission: Immerhin gut zwei Drittel (69 %) plädieren dafür, deren Vorschläge weitgehend oder sogar vollständig umzusetzen. Das von Regierungsberater Bert Rürup geleitete Gremium hatte Anfang September das Gesamtpaket seiner Empfehlungen zum Umbau von Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung vorgelegt. Unter anderem soll danach die Rentenformel um einen „Nachhaltigkeitsfaktor“ ergänzt werden, der den Anstieg der Renten bremst. Zudem rät die Kommission dazu, die Rentenerhöhung 2004 ein halbes Jahr hinauszuschieben, um den Beitragssatz vorerst bei 19,5 % zu stabilisieren. Diese Elemente sollen nach dem Willen der Regierung noch im Herbst beschlossen werden. Ein grundlegender Umbau der Finanzierung der Krankenkassen („Bürgerversicherung“) ist dagegen gerade für die SPD ein Langfristprojekt.

So wohlwollend die Führungskräfte die Empfehlungen aufnehmen, so gespalten sind jedoch ihre Urteile über den Verlauf der Kommissionsarbeit. Mit dem offenen Streit zwischen Rürup und dem Gesundheitswissenschaftler Karl Lauterbach über Sinn und Zweck einer Bürgerversicherung hat die Kommission offensichtlich Kredit verspielt. Gerade einmal 59 % der Befragten bewerten die Arbeit der Kommission als gut oder zumindest befriedigend. Bemerkenswert: Führungskräfte von Großunternehmen urteilen deutlich nachsichtiger.

Bei allen Vorbehalten gegenüber der konkreten Arbeit der Rürup- Kommission gehen die Führungskräfte indes mehrheitlich nicht so weit wie Bundesverfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier. Dieser hatte kürzlich vor einer fortschreitenden Entmachtung der Parlamente durch Expertenkommissionen gewarnt. Knapp 60 % der Befragten teilen diese Kritik nicht.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%