Udo Steffens
„Wissenschaftler sind es nicht gewohnt evaluiert zu werden“

Viele deutsche BWL-Professoren haben das Handelsblatt Ranking boykottiert. Im Handelsblatt-Interview erklärt BWL-Professor Udo Steffens, warum so viele Professoren sich geweigert haben am Ranking teilzunehmen.
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Herr Steffens, mehr als 300 BWL-Professoren boykottieren das Handelsblatt Ranking BWL. Sie auch?
Nein, im Gegenteil. Ich halte das Ranking für hervorragend. Es misst die wissenschaftliche Forschungsleistung von Hochschulprofessoren, und zwar objektiv. Wir orientieren uns bei unserer internen Evaluierung an ganz ähnlichen Kriterien.

Wie erklären Sie sich den großen Widerstand Ihrer Kollegen?

Deutsche Wissenschaftler sind es nicht gewohnt, solide und seriös evaluiert zu werden. Das kratzt am Selbstverständnis. Außerdem hat das Ranking 2009 offengelegt, dass vier der fünf besten deutschsprachigen BWL-Institutionen nicht in Deutschland sind. Das war für viele ein Schock.

Die Kritiker monieren, das Ranking sei zu eindimensional, weil es nur auf Zeitschriftenaufsätze abzielt und Bücher ignoriert.

Fachzeitschriften sind in der BWL der Ort, an dem der wissenschaftliche Fortschritt stattfindet. Wenn Wissenschaftler dort nicht publizieren, werden sie international nicht ernst genommen. Sie können natürlich sagen: Das macht nichts. Aber mit dieser Einstellung bringen wir die deutsche BWL nicht voran.

Aber Forschung ist doch nicht alles.

Das stimmt. Es ist Aufgabe der Hochschulleitung, Professoren ganzheitlich zu beurteilen - neben der Forschung spielen auch Lehre und Praxistransfer eine wichtige Rolle

Kommentare zu " Udo Steffens: „Wissenschaftler sind es nicht gewohnt evaluiert zu werden“"

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  • Was sagen Rankings inhaltlich aus? Dass sich die Forscher um Publikationen in A-Journals bemühen. Nimmt man als Beispiel den aktivsten deutschsprachigen Ökonom unter 40 Jahren, den Kollegen Boysen der Uni Jena, so fällt auf, dass er bloß zu zwei Themen publiziert: Fließbandabstimmung und Güterwagenplanung - übrigens keine neuen Themen sondern im Operations Research klassische. Diese beiden Ansätze werden dann mit kleinen Variationen in zehn verschiedenen Zeitschriften publiziert. Ist das wirklich "forschungsstark"? Ist das wissenschaftlicher Fortschritt?Den Kollegen Frey und Lichtenthaler hatte man vorgeworfen, den gleichen Inhalt mehrfach zu publizieren. Setzen Rankings falsche Anreize?
    Richard Vahrenkamp
    Prof. em. für Logistik, Universität Kassel

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