China
Reich der Mitte strotzt vor neuem Optimismus

Chinas Wirtschaft wächt überraschend stark, die Ökonomen der Weltbank hoben jetzt ihre Prognose deutlich an. Kritische Stimmen sehen bereits eine neue Blase und mahnen restriktive Geldpolitik an. Doch die chinesische Regierung hält an ihrer Unterstützung für die heimische Wirtschaft fest.
  • 0

Die chinesische Wirtschaft wächst wieder deutlich, zahlreiche neue Baustellen künden von einem bevorstehenden Boom. Diesem Ausblick konnten sich die Weltbank-Ökonomen offenbar nun nicht mehr entziehen: Sie hoben am Mittwoch ihre eher düstere Juni-Prognose für die Volksrepublik deutlich auf 8,4 Prozent an.

Die bisherige Vorhersage hatte um 1,2 Punkte darunter gelegen. Mit dem neuen Optimismus folgt die Weltbank nun dem Trend der internationalen Beobachter. Viele Banken haben bereits ihre Wachstumserwartungen für die Volksrepublik deutlich nach oben korrigiert. Nach 6,1 Prozent im ersten Quartal hatte Chinas Wirtschaft im dritten Quartal wieder um 8,9 Prozent zugelegt. Inzwischen gehen die Analysten davon aus, dass Peking das Ziel von acht Prozent Wachstum schafft. Dieser Wert wird als notwendig angesehen, um im 1,3-Milliardenland ausreichend neue Jobs zu schaffen.

Mit Chinas Aufschwung habe sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt inzwischen wieder entspannt, sagt Louis Kuijs, Weltbank-Ökonom in China. Dieser Aufwärtstrend werde zunächst anhalten: Für 2010 geht die Weltbank von 8,7 Prozent Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte aus. Das rund 400-Mrd.-Euro schwere Konjunkturprogramm der Regierung wirke viel stärker als erwartet, heißt es in dem jüngsten Report.

Doch die Experten im China-World-Tower warnen auch davor, dass die globale Konjunkturlokomotive auf neue wirtschaftliche Probleme zusteuere. Für einen nachhaltigen Aufschwung sei es notwendig, viel stärker die heimische Nachfrage anzukurbeln und weniger auf Industrie und Investitionen zu setzen. Die durch das Konjunkturprogramm auf Rekordhöhe getriebene Kreditvergabe berge große Risiken von „Blasen und Fehlallokationen“, sagt Kuijs.

Wenn es noch keine Blase gebe, dann sei diese gerade am entstehen, ist auch Ardo Hansson, China-Chefökonom der Weltbank überzeugt. Immer mehr Geld der neuen Kredite fließe in den Immobilienbereich. Gerade mit Blick auf diese Branche warnen viele Experten vor einem neuen Crash. „China steht vor dem Realitäts-Check“, meint etwa Andy Xie, unabhängiger China-Analyst aus Schanghai. „Die übermäßige Geldvergabe hat bereits eine neue Liquiditätsblase geschaffen“, warnt der Kritiker.

Auch Tomo Kinoshita, Volkswirt bei Nomura in Hongkong, sieht im kommenden Jahr die Gefahr einer Überhitzung in China. Auf die Politiker komme noch eine Menge Arbeit zu, meint er. Die Zeit der lockeren Geldpolitik müsse darum überdacht werden. Das sieht man bei der Weltbank jedoch nicht ganz so dramatisch. Noch sei es nicht notwendig, die Geldpolitik wieder zu verschärfen, sagt Ökonom Kuijs. Doch das könne sich bald ändern.

Bei der Investmentbank Goldman Sachs erwartet man, dass Peking schon in der zweiten Jahreshälfte 2010 die Finanzzügel wieder anziehen wird. Auch Hongkong hat vor kurzem die Kreditvergabe für Immobilienkäufe erschwert, um den überhitzten Markt zu beruhigen. In der Finanzmetropole waren in den vergangenen Wochen Wohnungen zu absoluten Rekordpreisen verkauft worden.

Die chinesische Regierung hat bislang stets erklärt, China werde vorerst an der lockeren Geldpolitik festhalten. Während einige Analysten erwarten, dass es dennoch damit zum Jahresende vorbei sein könnte, glaubt Stephen Roach nicht daran. China werde an seinen Staatshilfen festhalten, ist der Asien-Chairman von Morgan Stanley überzeugt. Peking werde auf keinen Fall die soziale Stabilität gefährden, ist Roach überzeugt.

Kommentare zu " China: Reich der Mitte strotzt vor neuem Optimismus"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%