China: Starke Binnenwirtschaft macht Export-Rückgang wett

China
Starke Binnenwirtschaft macht Export-Rückgang wett

Verkehrte Welt in China: Nicht mehr der Export ist die Lokomotive der Wirtschaft, sondern der anziehende Binnenmarkt. Der chinesischen Führung dürfte diese Entwicklung sehr gelegen kommen.
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HB PEKING. Wie die am Freitag veröffentlichten Ausfuhrzahlen für August verdeutlichen, legten die Einfuhren im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Drittel zu. Im Juli lag die Steigerungsrate bei nicht einmal einem Viertel. Zugleich schwächte sich die Leistung des Exportmotors ein wenig ab, so dass die Volksrepublik per saldo nur noch einen Handelsüberschuss von 20 Mrd. Dollar aufweist. Im Juli waren es noch 8,7 Mrd. Dollar mehr gewesen.

Der Abbau des Überschusses dürfte der kommunistischen Führung in Peking sehr gelegen kommen. In den USA stehen nächste Woche Anhörungen im Kongress an, in denen über mögliche Strafmaßnahmen gegen China gesprochen werden soll. Das ungestüme Exportwachstum Chinas ist den USA bereits seit längerem ein Dorn im Auge: Die Vereinigten Staaten werfen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt vor, sich mit einem künstlich niedrig gehaltenen Wechselkurs seiner Landeswährung Yuan Wettbewerbsvorteile auf den Weltmärkten zu verschaffen.

Die neuen Ausfuhrzahlen belegen, dass China seine Exporte nicht mehr ganz so aggressiv gesteigert hat wie zuvor: Gegenüber dem Vorjahr legten sie im August um 34,4 Prozent zu, im Vormonat hatte der Zuwachs noch bei 38,1 Prozent gelegen. Zugleich steigerte das Land sein Importwachstum drastisch auf 35,2 von 22,7 Prozent. Ökonom Wang Hu von Guotai & Junan Securities ist zuversichtlich, dass China mit dem gestärkten Binnenmarkt den Weltmärkten neue Impulse verleihen kann: "Da sich das Wachstum in Europa und den USA seit dem zweiten Quartal abgeschwächt hat, könnte China bei der globalen Erholung den Takt vorgeben."

Anlass zum Optimismus gibt auch, dass sich der Automarkt in dem Riesenreich zuletzt als robust erwiesen hatte. Trotz der boomenden Wirtschaft Chinas hatten sich warnende Stimmen gemehrt, die den kommunistischen Wirtschaftslenkern einen Umbau des gängigen Wachstumsmodells nahelegten. Gerade weil die USA konjunkturell nicht so recht auf die Beine kommen und Europas Erholung in Zeiten der Schuldenkrise eher schleppend verläuft, sollte sich das Exportland China mehr als bisher auf die eigene Stärke besinnen und die Kaufkraft seiner 1,3 Mrd. Verbraucher verbessern.

Im ersten Halbjahr hatte die Regierung in Peking bewusst das Wachstum gedrosselt, um eine Überhitzung zu vermeiden: Die Führung schränkte die Kreditvergabe der Banken ein, schob Exzessen am Immobilienmarkt einen Riegel vor und nahm die schlimmsten Dreckschleudern unter den Kraftwerken des aufstrebenden Industrielandes vom Netz. In der Industrie hatten viele Firmen zuletzt ihre Lager geräumt und damit das Wachstum weiter gedämpft. Ökonom Quian Wang sieht die anziehenden Importzahlen als klares Zeichen, dass Chinas Binnensektor nun die Handbremse gelöst hat.

Volkswirt Dong Xian'an von Industrial Securities geht davon aus, dass die Regierung bei der Entwicklung ein wenig nachgeholfen haben dürfte: "Möglicherweise hat China auf politischen Druck hin in der letzen Augustwoche seine Importe von Grundstoffen gesteigert. Das war eine günstige Gelegenheit bei den relativ niedrigen Rohstoffpreisen weltweit.

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