Chinas Währungsreserven
Den Dollar im Griff

Die magische Grenze ist durchbrochen. China hatte mit seinen Währungsreserven bei der Zentralbank bereits vor einigen Monaten Japan überholt und ist heute das Land mit den größten Devisenreserven weltweit. Den Chinesen ist inzwischen selbst nicht mehr so ganz wohl dabei.

PEKING/NEW YORK. Die Währungsreserven der chinesischen Zentralbank haben die Marke von einer Billion Dollar überschritten. Das bestätigte gestern die staatliche Devisenaufsichtsbehörde SAFE in Peking. Wichtigste Quelle für den steigenden Zufluss ausländischer Währungen ist der riesige Exportüberschuss im Außenhandel. Die Devisen- und Handelspolitik der Regierung in Peking trägt jedoch zu den größer werdenden globalen Ungleichgewichten bei und sorgt insbesondere in Amerika für wachsenden Unmut.

Die USA werfen China seit Jahren vor, mit Hilfe seiner Devisenbestände eine Aufwertung der eigenen Währung Yuan zu verhindern, um so die Weltmarktpreise chinesischer Waren künstlich niedrig zu halten. Dadurch wächst der Handelsüberschuss und bringt noch mehr Devisen ins Land. Das Ergebnis sind massive globale Ungleichgewichte, die die Weltwirtschaft nach Meinung von Ökonomen in eine Rezession oder Finanzkrise stürzen könnten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) versucht, das Problem mit multilateralen Gesprächen in den Griff zu bekommen.

Im Fokus stehen jedoch die USA und China. Die Schieflage ist hier nicht nur besonders groß, sondern hat auch zu einem Dauerstreit zwischen der heutigen und der kommenden Weltmacht geführt. Im August erreichte das US-Handelsdefizit mit etwa 70 Mrd. Dollar einen neuen Höchststand. Etwa ein Drittel davon geht auf das Konto des Handels mit China. Der amerikanische Markt wird mit Billigwaren aus China überschwemmt. Heimische Industriebetriebe geraten unter Druck, Arbeitsplätze gehen verloren oder werden in das Reich der Mitte verlagert.

Daraus entsteht in Washington ein explosives politisches Gemisch, das zu immer lauter werdenden Rufen nach protektionistischen Sanktionen gegen China geführt hat. Nur mit Mühe konnte US-Finanzminister Hank Paulson eine Gesetzinitiative im Kongress vereiteln, die auf alle Importe aus China einen Strafzoll von 27,5 Prozent verhängt hätte. „Wir können es nicht länger hinnehmen, dass China seine Waren mit Hilfe einer künstlich niedrig gehaltenen Währung auf den US-Markt schüttet“, sagt der US-Parlamentarier Phil English.

Durch den Handelsstreit wird jedoch eine nicht minder wichtige Frage in den Hintergrund gedrängt: Was macht China mit seinem Geld? Dass von der Antwort auf diese Frage heute auch das Schicksal der amerikanischen Wirtschaft abhängt, zeigen die neuen Machtverhältnisse in der Weltwirtschaft. Die riesigen Dollar-Bestände in Peking sind ein potenzielles Risiko für Preisstabilität und Wachstum in Amerika.

Seite 1:

Den Dollar im Griff

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%