Konjunktur
Chinas Zentralbank überrascht mit höheren Leitzinsen

Um die überhitzte Konjunktur weiter abzukühlen hat Chinas Zentralbank am Donnerstag erstmals seit neun Jahren die Leitzinsen erhöht. Der Schlüsselzins für einjährige Yuan-Kredite werde um 27 Basispunkte auf 5,58 Prozent angehoben und der Satz für einjährige Anlagen im gleichen Ausmaß auf auf 2,25 Prozent, teilte die Notenbank in Peking mit.

HB PEKING. Die Regierung bemüht sich schon länger, Investitionen und Kreditvergabe zu dämpfen. Die verschiedenen makroökonomischen Kontrollen hätten schon Erfolge gezeigt. Aber um die noch bestehenden Probleme anzupacken, habe die Regierung die Zinserhöhung erlaubt, erklärte die Bank des Volkes von China. Volkswirte waren unsicher, wie stark die Kreditverteuerung die Wirtschaft Chinas, die inzwischen großen Einfluss auf die Weltwirtschaft hat, bremsen wird.

„Mit diesem Schritt wird offenbar eine sanfte Landung der Konjunktur verfolgt“, sagte Analystin Sarah Hewin von der American Express Bank in London. An den Finanzmärkten reagierte der Dollar mit kräftigen Kursgewinnen, da Anleger die Erhöhung als Zeichen für ein weiter robustes weltweites Wachstum werteten, das andere Zentralbanken zu Zinserhöhungen veranlassen würde. Zudem kamen Spekulationen über ein Ende der Wechselkursbindung an des Yuan an den Dollar auf.

Der Euro verbilligte sich vorübergehend um mehr als einen halben Cent auf gut 1,26 Dollar. Die Renditen an den Rentenmärkten stiegen. Aktienkurse europäischer Stahl- und Kohleunternehmen wie Arcelor, Rio Tinto oder ThyssenKrupp fielen, da Chinas Nachfrage sinken könnte.

Das Wachstum der aufstrebenden asiatischen Volkswirtschaft, das schon länger weltweit die Öl- und Rohstoffpreise nach oben treibt, hatte sich zuletzt schon etwas abgeschwächt. Im dritten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt noch um 9,1 Prozent zum Vorjahr und damit etwas weniger als in den Vorquartalen gewachsen. Die Inflation liegt bei rund fünf Prozent. Bisher hatte die Regierung die Zinsen nicht erhöht, um die Kredittilgung angeschlagener Staatsunternehmen und damit die Banken nicht zu gefährden. Nun hob die Zentralbank die Begrenzung für Kreditzinsen auf. Bisher durfte der Ausleihesatz von Banken maximal 70 Prozent über dem Leitzins liegen.

„Das war auch Zeit, wir brauchen höhere Zinsen, um die Investitionen zu dämpfen“, sagte Volkswirt Ben Simpfendorfer von JP Morgan in Hong Kong. Die Regierung beschränkte bereits die Landnutzung für Industrieansiedlungen und verbot Investitionen in bestimmten Branchen. Die große Frage ist nun, ob es gelingt, das stürmische Wachstum in ruhigere Bahnen zu lenken oder ob es zu einem kräftigen Abschwung kommt, der die Weltwirtschaft belasten könnte. „Man sollte die Kirche im Dorf lassen, es ist nicht damit zu rechnen, dass die chinesische Wirtschaft plötzlich massiv abkühlt“, sagte Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse der Fondsgesellschaft dit. Pieter van der Schaft, Volkswirt von Barclays Capital, wies dagegen auf das bereits stark verlangsamte Importwachstum Chinas hin. „Die Gefahr einer harten Landung ist jetzt gestiegen.“

Am Devisenmarkt wurde darüber diskutiert, ob die Zinserhöhung ein Ende der Wechselkursfixierung und eine Aufwertung des Yuan nach sich ziehen würde. Analyst Kornelius Purps von der HVB Group nahm an, China werde entweder die Zinsen oder den Wechselkurs als Instrument für eine konjunkturelle Abkühlung einsetzen. Deshalb sei damit nicht zu rechnen. Auch Van der Schaft kann sich nicht vorstellen, dass China die Tore für spekulative Kapitalzuflüsse öffnen würde. Mit einer Aufwertung des Yuan seien stärkere Zinsausschläge verbunden, was die Regierung als schädlich für die Banken betrachten würde.

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